Ab wann wird der SUV-Stromer von Volvo umweltfreundlicher?

Nach wie vielen gefahrenen Kilometern ist ein Elektroauto ökologisch günstiger wie ein Verbrenner? Eine klare Antwort darauf glaubten Anfang Dezember letzten Jahres zwei Diskutanten des beliebten Sonntags-Stammtisches im Bayrischen Fernsehen geben zu können. Da nämlich behauptet ein ehemaliger Skistar, Elektroautos seien allein schon aus Nachhaltigkeitsgründen völliger Irrsinn, da es einer Laufleistung von 150 000 Kilometern bedarf, bis sich der ökologische „Rucksack“ vor allem durch die energieaufwändige Akkuproduktion abgebaut habe. Diese Aussage ergänzte ein ehemaliger Automanager mit dem Hinweis, dass dieser Wert schließlich nur für kleinere E-Modelle gelte, für größere jedoch 200 000 Kilometer anzusetzen seien. Leider waren die weiteren Teilnehmerinnen der Runde diesbezüglich weniger sachkundig, so dass sich niemand fand, der auf die genannten Werte noch eins draufsetzten wollte. Getreu dem Motto „Wer bietet mehr?“.

Sind solche Aussagen nun völlig aus der Luft gegriffen, interessengeleitet und beruhen auf älteren, längst überholten Berechnungen oder spiegeln sie doch die bittere und unbequeme Wahrheit von der miesen Ökobilanz der „Stromer“ wider?

Fakt ist, dass es unzählige mehr oder weniger seriöse Studien zu diesem Thema gibt, die von 20 000 bis 180 000 Kilometer reichen, wobei sich aktuellere Berechnungen meist in einem Bereich zwischen 30 000 und 50 000 Kilometern bewegen.

Volvo setzt auf Transparenz durch Lebenszyklus-Analyse
Zwar geben die Hersteller von reinen Elektroautos in ihren Anzeigen 0 g CO2-Emission pro 100 km an, aber jeder weiß, dass dies bestenfalls die halbe Wahrheit ist. Als erster Brand

geht nun Volvo voran und relativiert solche Aussagen anhand einer Lebenszyklus-Analyse (LCA) des Volvo Sustainability Centers, einer Abteilung des unternehmenseigenen Forschungs- und Entwicklungszentrums. Auch wenn eigene Studien der Industrie grundsätzlich mit einer gewissen Skepsis betrachten werden sollten, so liefert die Schwedenmarke mit chinesischer Mutter doch einen nachvollziehbaren Ansatz, der zumindest einen Hinweis darauf gibt, in welchem Bereich die „Rucksackwerte“ in etwa anzusiedeln sind. Und dies bei einem SUV mit 400 PS, das beileibe nicht als Klein- oder Mittelklasse-Stromer durchgehen kann.

Natürlich leuchtet es ein, dass auch Elektrofahrzeuge nicht komplett emissionsfrei unterwegs sind. Denn der geladene Strom verursacht je nach Erzeugungsart mehr oder weniger hohe CO2-Emissionen. Diese entstehen auch in der Fahrzeugproduktion sowie bei der Nutzung und Verarbeitung bestimmter Materialien. Dabei schlagen sich nicht nur die Lithium-Ionen-Batterien in der Ökobilanz von Elektrofahrzeugen nieder, auch der vermehrte Einsatz von Aluminium, beispielsweise für den Sicherheitskäfig des Hochvolt-Akkus, macht sich bemerkbar.

Volvo XC40 Recharge: der 408-PS-Elektro-SUV ist ab 47.000 Kilometern ökologisch günstiger als der Benziner-Bruder.

Die Umweltbilanz des Volvo XC40 Recharge
Bei der genormten Analyse nehmen die Volvo-Forscher jedes Bauteil des neuen vollelektrischen Volvo XC40 in Augenschein und untersuchen, wie sich das Fahrzeug über seinen kompletten Lebenszyklus auf die Umwelt auswirkt – von der Gewinnung der Rohstoffe, der Logistikkette, der Produktion und Montage, der Nutzungsphase bis hin zum Recycling der verbauten bzw. verwendeten Materialien.

Ergebnis: Der XC40 Recharge P8 AWD rollt mit einem vergleichsweise großen CO2-Fußabdruck vom Band: Die Fertigung ist energieintensiver als bei konventionell angetriebenen Modellen. Die Variante mit Verbrennungsmotor verursacht dadurch in der Produktion fast 40 Prozent weniger Emissionen als die vollelektrischen Varianten. Insbesondere die leistungsstarken Lithium-Ionen-Batteriemodule und deren Kathoden- und Anodenmaterialien sowie das umschließende Aluminiumgehäuse schlagen hier zu Buche.

Ab 47.000 km Laufleistung weniger CO2 als beim Benziner-Pendant
Während der Nutzung arbeitet das Elektroauto seine negative Bilanz jedoch sukzessive auf. Stammt der geladene Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energien wie Wind- und Sonnenkraft, wo nur geringe Emissionen in der Herstellung der Windräder und Solarpanels entstehen, emittiert der Volvo XC40 Recharge P8 AWD bereits nach einer Laufleistung von 47.000 Kilometern weniger CO2 als sein benzinbetriebenes Pendant. Die Folge: Im Laufe ihres Lebens verursachen Stromer deutlich weniger CO2 wie Verbrenner-Modelle. Auch mit dem angenommen ungünstigsten, zu größten Teilen auf fossilen Brennstoffen basierenden Strommix, ist die CO2-Bilanz des ersten Volvo Elektroautos unter dem Strich besser als von vergleichbaren Benzinern.

Ehrgeizige Ziele
Über den gesamten Lebenszyklus hinweg soll die CO2-Bilanz jedes Volvo Modells bis 2025 um 40 Prozent gegenüber den 2018er Werten sinken – ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg, bis 2040 ein vollständig klimaneutrales Unternehmen zu werden. Dabei geht dieses Vorhaben über die direkten Fahrzeugemissionen hinaus: Das Unternehmen wird auch den CO2-Ausstoß innerhalb des Produktionsnetzwerks, im Geschäftsbetrieb und in der Lieferkette sowie auch durch Recycling und Wiederverwendung von Materialien senken. Man darf gespannt sein, auf welche Weise Volvo die ambitionierten Zielsetzungen erreichen möchte. Ein wichtiger Schritt könnte etwa darin bestehen, künftig verstärkt auch kleinere, effiziente E-Modelle in das Produktportfolie aufzunehmen.

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