Auf die sanfte Tour – der Premium-Wanderweg DonAUwald

Spektakulär geht anders: Aber der „Premium-Wanderweg“ entlang der Donau im Südwesten von Bayern kann mit anderen Qualitäten aufwarten: mit ruhigen Seen statt tosender Wasserfälle, mit ebenerdigen, aber nicht weniger spannenden Pfaden statt gefährlicher Klettersteige. Wer keine Lust mehr hat auf überfüllte Wege in Oberbayern, dem sei die Route entlang der Donau im Schwäbischen empfohlen.

Joggen, Spazierengehen, Wandern – in außergewöhnlichen Zeiten wie den unsrigen gehören diese Arten der Freizeitbeschäftigungen noch zu den Dingen, die gefahrlos erlaubt sind. Und um in der Natur Erholung zu finden und die viel zitierte Seele baumeln zu lassen, muss man nicht weit in die Ferne schweifen. Tatsächlich liegt das Gute sehr nah – zumal für die südländischen BewohnerInnen Deutschlands. Der DonAUwald-Wanderweg ist einer von 600 Premium-Wanderwegen in Deutschland, die vom Deutschen Wanderinstitut zertifiziert wurden. Er beginnt in Günzburg und endet in Schwenningen – oder umgekehrt. Achtung: das kleine Schwenningen an der Donau ist nicht zu verwechseln mit Villingen-Schwenningen in Baden-Württemberg!

Je nach Gusto kann man sich selbst eine Etappe heraussuchen – von Ort zu Ort, oder man folgt den Empfehlungen der Website zum DonAUwald-Wanderweg. Bei Streckenabschnitten von leichten 8 km bis zu Tagesetappen von 27 km ist für alle, die gerne zu Fuß die Natur erkunden, etwas dabei. Und er bietet all denen die Chance, dem Alltag ein Stückweit zu entkommen, die genau hinsehen, hinhören und riechen, und wird – noch – als Geheimtipp gehandelt.

Nah am Boden und immer am Wasser

Die Website selbst spricht von „Deutschlands flachsten Premiumwanderweg“ – das soll vielleicht all die Wanderer aus Bayern abschrecken, die lieber Gipfel erklimmen, aber jene Flachländer anziehen, die es gemächlicher angehen wollen. Ganze 68 Meter Höhenunterschied müssen bewältigt werden, wenn man die ganze Tour in mehreren Tagen gehen möchte. Das wären insgesamt 59 Kilometer. Die Route von Lauingen nach Dillingen eignet sich für Familien mit Kindern – Planschpause an den schmalen Kanälen im Unteren Brunnental mit einrechnen! Profiwanderer nehmen die sportliche Etappe über 27 km von Günzburg nach Lauingen. Für ambitionierte Sonntags-Spaziergeherinnen und Wanderer, die keine allzu großen Strapazen auf sich nehmen wollen, gibt es reichlich Auswahlmöglichkeiten, die Strecke der eigenen Fitness anzupassen.

Großer Strom und kleine Tümpel

Großer Weggefährte ist die Donau – die nur bei strahlendem Sonnenschein blau ist – sich ansonsten von schlammbraun und grün in allen Schattierungen zeigt. Doch sie ist nicht die einzige Wasserquelle. Der Wanderweg führt entlang kleiner Badeseen und Teiche, man quert Tümpel und Bäche trockenen Fußes auf Bohlenstegen; auf schmalen Pfaden geht es durch Naturschutzgebiete und Laubwälder.

Nicht allein die Donau, auch zahlreiche kleinere Gewässer liegen entlang des Weges

Die Kneipp-Anlage in Lauingen lädt ein zum Storchenmarsch. Bei Höchstädt lohnt der Abstecher zum idyllischen Hofmahdschwaigsee. Neben munterem Geplätscher sind im Frühling und Sommer das Rascheln der Bäume und diverses Vogelgezwitscher stete Begleiter. Die Seen entlang der Route sind für Hobby-Ornithologen und Profi-Vogelkundler gleichermaßen Anziehungspunkt.

Abtauchen im Auwald statt im Auenland

Kein Auenland mit wundersamen Gestalten – aber dafür ist der Auwald ein sehr reales Paradies für seltene Vogel- und Pflanzenarten, die sich mit etwas Glück am Wegesrand und an Bächen und Seen entdecken lassen. Wer nach oben blickt, den beschleicht durchaus ein Urwald-Feeling angesichts knorriger alter Eichen und dicht bewachsener Laubbäume. Dazu muss man nicht quer über die halbe Erdkugel bis nach Neuseeland auf den Spuren der Hobbits reisen.

Mit etwas Glück lässt sich sogar der scheue Pirol erblicken oder zumindest hören

Entstanden ist der Schwäbische DonAUwald durch Überschwemmungen. Die Seenlandschaft entlang des Weges ist durch die Kiesgewinnung entstanden, Schlingpflanzen und Seerosen konnten hier wieder ihre Heimat zurückerobern. Einem tierischen Gesellen kann man entlang des Wegs auch begegnen, zumindest seiner Architektur. Zwischen Dillingen und Blindheim ist sein Reich. Hier hinterlässt er „Autobahnen“ und Bauwerke, die wiederum anderen kleinen Lebewesen Lebensraum bieten. Ein sehr soziales Wesen also, der Biber. Aber auch menschenscheu. Er wird erst aktiv, wenn es dämmert und dunkel wird – man wird ihm also eher selten persönlich begegnen. Ganz anders sieht es mit den Vögeln aus. Mit Geduld, Muße und einem guten Fernglas ist der DonAUwald-Wanderweg ein gutes Ziel für Vogelliebhaber.

Rückzugsort für Zugvögel und heimische Beobachter

Ebenfalls im Auwald zugange: der Eisvogel mit seinem prächtig gefärbten Gefieder. Ihn zu entdecken bedarf es aber einer Portion Glück und aufmerksamer Augen. Auf der 16 km langen Etappe von Offingen nach Lauingen kommt man am Faiminger Stausee vorbei, einem der größten Vogelzugrastplätze in Süddeutschland. Hier tummeln sich im Frühjahr und Herbst tausende Zugvögel – ein Mekka für Ornithologen. Nicht nur für Zugvögel ist es wichtig, sich zur Rast niederzulassen, sondern auch für die Wanderer.

Rasten im Fass und Kosten vom Käse

Wer nicht nur eine Tagestour plant, sondern ambitioniert die gesamte Strecke von 59 km in einer mehrtägigen Wanderung „angehen“ möchte, der findet entlang der Route eine gute Auswahl an „Wohlfühlorten“, die sich einer nachhaltigen Bewirtschaftung verschrieben haben. Eine gute Anlaufstelle ist hierfür Donautal Aktiv in Bächingen. Dort bekommt man Empfehlungen für Landgasthäuser und Hotels und Hofläden, die regionale Spezialitäten anbieten. Im Ferienhaus der Wohlfühloase in Gundelfingen lässt sich beispielsweise im beheizbaren Holzbadezuber im Freien der Tag genüsslich ausklingen. Wer sich mal wieder in die Kindheit versetzen möchte: In Leipheim bei Günzburg gibt es ein Heuhotel. Dieses bietet noch eine weitere urige Attraktion: die Übernachtung im Fass: Das ist bequemer als es klingt.

In der Bertelemühle dürfen die Ziegen von fremden Händen gemolken werden. Danach unbedingt in der hauseigenen Käserei vorbeischauen und einen Happen probieren. Die Betreiber stellen den Käse nach Bio-Richtlinien her.

Fleischesser sind gut aufgehoben bei Familie Delle in Gundelfingen. Ein Aufenthalt dort ist aber nichts für zartbesaitete Karnivoren. Denn wer Lionel, Luca oder Lance am Morgen auf der Weide besucht, dem tut es vielleicht weh, wenn am Abend der Bruder auf dem Teller liegt – fesch verpackt in zwei Burgerhälften. Die Gastgeberfamilie züchtet selbst Angus-Rinder und hat mit ihren Bullen schon einige Championsiege eingefahren.

Übernachten: mal stilvoll modern, mal wie vor 300 Jahren

Wer auch beim Übernachten das Besondere schätzt und auf Nachhaltigkeit Wert legt, ist im Hotel und Restaurant zur Glocke in Höchstädt richtig. Das Hotel ist ein Genuss fürs Auge und nachhaltig und barrierefrei gebaut. Die Betreiber sprechen davon, dass das in Lärche gehüllte Gebäude als „kubischer Riegel über dem Boden schwäbt“ – Verzeihung – „schwebt“.

Modern und nachhaltig: das Hotel und Restaurant zur Glocke

Wer es rustikaler mag, ist in der Breisach Mühle in Blindheim gut aufgehoben. In diesem Klosterbauernhof aus dem 13. Jahrhundert nächtigt man in König-Ludwig-Betten. Die Gäste werden in die Zeit vor 300 Jahren zurückversetzt – die Breisach Mühle liegt auf historischem Boden, da hier 1704 die Zweite Schlacht bei Höchstadt stattfand, besser bekannt als „Battle of Blenheim“.

Nachhaltig unterwegs

Zu Fuß die Natur erwandern ist wohl die nachhaltigste Art, Natur zu erleben. Vorausgesetzt man nimmt seinen Abfall wieder mit, bleibt auf den ausgeschilderten Wegen und zerstört nicht mutwillig Fauna und Flora. Wer sich strammen Schrittes entlang der Donau bewegt, hat es auch nicht weit von den jeweiligen Bahnhöfen der einzelnen Ausgangsorte der Etappen. Heißt: das Auto kann getrost zuhause stehen bleiben. Aus dem Zug aussteigen und los geht’s. Die parallel zum Weg verlaufende Donautalbahn verbindet alle Etappenorte, so dass man mit der Bahn bequem wieder zum Ausgangspunkt der Wanderung zurückkehren kann. 

Nur wer auf den gut beschilderten Wegen bleibt, schont die sensible Auenlandschaft

Wer bereits auf den elektrischen Zug aufgesprungen ist, der findet in den meisten Städtchen entlang der Strecke Ladestationen für seinen „Stromer“. In Dillingen gibt es mehrere Ladestationen, in Lauingen findet man jeweils eine direkt am Rathaus und an der Stadthalle, in Gundelfingen, Höchstädt und Offingen jeweils nur eine an zentralen Parkplätzen. Nur Blindheim muss sich diesem Trend noch öffnen, um auch E-Fahrerinnen und nicht nur die Geschichtsinteressierten anzulocken.

Schlusspunkt: Kleiner Exkurs in die Sprachgeschichte

Auffallend für den sprachlich interessierten Rucksackreisenden ist die Tatsache, dass die Namen vieler Ortschaften entlang des Wanderwegs auf -ingen enden. Diese Endung bedeutet, dass die Siedlungen sehr wahrscheinlich im 6. oder 7. Jahrhundert von Alemannen und Franken gegründet wurden und sich hier Menschen ansiedelten, die sich einem Anführer zugehörig fühlten. Bei Dillingen ist das der Fall; man vermutet, der Anführer hieß Dullo. In Schwenningen ließ sich wohl die Sippe des Swano nieder. Der Ortsname Offingen leitet sich wohl von einem Sippenführer Offo ab. Gundelfingen hingegen heißt nach einem der großen schwäbischen Adelshäuser aus dem 11. Jahrhundert. Wer den DonAUwald-Wanderweg entlang wandert, wandelt quasi auch ein bisschen durch die Zeit.

Beschreibungen des DonAUwald-Wanderwegs und seiner Etappen:

www.donauwald-wanderweg.de

Übernachten entlang der Route:

Donautaler Wohlfühloase

Webseite
Riedhauser Straße 15
89423 Gundelfingen an der Donau

Schwarzfelder Hof

In einem Fass des Schwarzfelder Hof in Leipheim zu übernachten, kostet 70 Euro für 2 Personen in der Zwischensaison und 80 Euro in der Hauptsaison

Webseite
Schwarzfelder Weg 3
89340 Leipheim /Riedheim

Bertelemühle

Auf dem Biohof mit angeschlossener Käserei leben 40 Ziegen. Ferienwohnungen kosten zwischen 80 und 105 Euro pro Nacht je nach Saison.

Webseite
Wasserburger Weg 123
89312 Günzburg

Hotel und Restaurant ZUR GLOCKE

Das Glocke Touring Paket (1 Übernachtung für 2 Personen plus 3-Gänge-Menü kostet 85 Euro pro Person.

Webseite
Friedrich-von-Teck-Straße 12
89420 Höchstädt

Gasthof Sonne und Donaumoos Angus

Ein T-Bone-Steak „Herrengröße“ vom Angus-Rind kostet im Gasthof Sonne 29,90, den Angus-Burger gibt es für 14 Euro. Filets und Steaks kann man auch im Online-Shop bestellen: https://sonne-gundelfingen.de/steakshop/#angus_fleisch

Webseite
Hauptstraße 56
89423 Gundelfingen

Breisach Mühle

Ein Doppelzimmer kostet 62 Euro pro Nacht mit Frühstück.

Webseite
Nebelbachstraße 15
89434 Blindheim

Weitere Informationen zu Unterkünften und regionalen Spezialitäten sowie Ladestationen entlang der Route:

Donautal-Aktiv e.V.

Team Tourismus & Naherholung – Schwäbisches Donautal
Hauptstraße 16
89431 Bächingen

Geschrieben von
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