Bei ON ist Nachhaltigkeit in

Wohin mit den gebrauchten Tretern?

Bei hochwertigen Laufschuhen steht man vor einem Dilemma: Für die Tonne sind die Schuhe nach einigen hundert Laufkilometern meist viel zu schade, zum Training aber nicht mehr optimal zu gebrauchen. Klar, sie machen sich meist noch recht gut als Freitzeitsneaker oder ähnliches. Aber engagierte Läufer hätten dann nach einigen Jahren bald so viele davon im Regal, dass es an seine Kapazitätsgrenzen stoßen dürfte. Wie dieser Zwickmühle entkommen? Spenden oder weiterverkaufen wäre eine Möglichkeit. Doch auch in zweiter Hand oder in der Altkleidersammlung ist das weitere Schicksal der einst so wertvollen Fußbekleidung ungewiss. Womöglich landet sie dann doch bald in der Restmülltonne und wird verbrannt.

Run – Recycle – Repeat!

Eine denkbar konsequente Lösung für dieses Problem will nun der schweizerische Brand On mit einem neuartigen Abo-Modell schaffen: Wenn die Schuhe mit dem sprechenden Namen Cyclon ihren Dienst getan haben, sollen oder besser gesagt müssen sie an On zurückgeschickt werden. Dort werden sie dann gesammelt und derart gründlich aufbereitet, dass am Ende nach internen Berechnungen von On eine Wiederverwertungsquote von stolzen 90 Prozent erreicht werden kann. Auch die restliche Ökobilanz kann sich durchaus sehen lassen. Nach Angaben des Herstellers produziert der Cyclon-Laufschuh von der Produktion bis zum erstmaligen Recycling 50 Prozent weniger CO2 . Der Energieverbrauch wird um 70 Prozent reduziert. Ab dem Moment, in dem Kunden ihn in Händen hält, könne er sogar als zero waste bezeichnet werden.

Das Eco-Modell Cyclon – der ganze Stolz der Schweizer Schuhmacher

Unterwegs mit Erdölchemie? Nicht die Bohne!

Vereinfacht wird das sortenreine Recycling außerdem, weil der gesamte Schuh nur aus insgesamt zwei Materialien besteht, die zudem aus der gleichen Familie stammen. Dabei handelt es sich um zwei Arten Hochleistungspolyamide: Das Obermaterial besteht aus PA11, einem biobasierten Polyamid, hergestellt aus Rizinusbohnen. Ja, richtig gelesen, Bohnen! Aus dem Öl der auch auf sonst schwer zu bewirtschaftenden trockenen, spärlichen Böden gedeihenden Bohnensorte können Polyamid-Fasern gesponnen werden. Die Sohle wiederum besteht aus einer Polyamidverbindung namens Pebax. Bei herkömmlichen Laufschuhen sollen dagegen mehr als rund 50 Material-Komponenten aus 40 Familien im Einsatz sein… Damit zudem keine der meist umweltbelastenden synthetischen Farbstoffe verwendet werden müssen, kommt der Cyclon ganz in weiß daher.

Der Cyclon kommt ohne synthetische Farbstoffe aus

Der Cyclon steht als Abo-Schuh am Start, muss aber noch einige Hürden nehmen…

Klingt so, als ob man mit dem Cyclon nun gleich orkanartig, markentypisch wie auf Wolken gefedert und mit absolut reinem Gewissen zur nächsten Marathonbestzeit schweben könnte? Ein paar Dinge gibt‘s dann doch noch zu beachten: Der Recyclingprimus steht voraussichtlich erst ab Herbst 2021 bereit zum Schnüren – sogar die Senkel sind übrigens aus der nachhaltigen Bohnenfaser gefertigt. Und das nur für vorregistrierte Abonnenten, die bereit sind, monatlich während der gesamten Nutzungsdauer und für die Registrierung auch schon einmal im Voraus 29,95 Euro zu berappen. Und auch dann nur, wenn in der betreffenden Region genügend Abonnenten zusammenkommen, sodass das Sammeln und Zurücksenden mit ökologisch vertretbarem Aufwand möglich wird. Sind diese Voraussetzungen schließlich alle erfüllt und die ersten Aboschuhe stehen am Start, geht man bei On davon aus, dass der Schuh im Durchschnitt nach zirka sechs Monaten seine besten Zeiten hinter sich hat und zurück in den Prozess wandert. Das führt dann also zu einem hypothetischen Kaufpreis von markentypischen ca. 180 Euro. Läuft man jedoch mit verschiedenen Schuhen parallel im Wechsel, was bei ambitionierten Läufern durchaus nicht unüblich ist, oder belastet den Schuh aus anderen Gründen weniger, könnte der Cyclon auch beispielsweise ein ganzes Jahr oder länger halten. Dadurch summiert sich der Abopreis für ein Paar Schuhe schnell auf bis zu über 360 Euro. Auch, wenn optimales Recycling und ein geringerer ökologischer Fußabdruck aller Ehren wert ist, bleibt abzuwarten, wie viele Anhänger ein solches Abomodell in der Realität dann wirklich längerfristig finden kann. Aus Umweltsicht wäre dem Recyclingprojekt, das bereits mit zwei ISPO-Awards ausgezeichnet wurde, jedenfalls Erfolg zu wünschen.

Der ökologische Fußabdruck spielt nicht nur bei Sportschuhen eine Rolle

Bei den Themen Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Recycling ist auch bei anderen Produkten der Sportartikelindustrie in den vergangenen Jahren vermehrt vom ökologischen Fußabdruck die Rede. Damit ist die biologisch produktive Fläche, also die Anzahl an Hektar Wald, Weide- und Ackerland sowie Meeresfläche gemeint, die nötig ist, um die für unseren Konsum verbrauchten Ressourcen zu erneuern und die entstandenen Abfallprodukte aufzunehmen. Durchschnittlich zweieinhalbmal so viel wie ökologisch verkraftbar verbrauchen die Industrienationen in etwa. Die Herstellung herkömmlicher, aus verschiedenen Kunststoffmaterialien gefertigter moderner Sport-, Freizeit- oder Wanderschuhe ebenso wie der von Funktionskleidung trägt in der Regel nicht gerade dazu bei, den ökologischen Fußabdruck von sportlich aktiven Konsumenten zu verkleinern. Doch die Wenigsten werden ihre Trainingsrunden oder Wanderausflüge auf blanken Fußsohlen oder in der Jute-Jacke bestreiten, selbst wenn sie noch so ökologisch denken. Wer gelenkschonend oder leistungsorientiert laufen oder gehen will, kann bei den Schuhen auf eine Dämpfung und den Schutz vor Steinchen, Wurzeln oder der harten Asphaltoberfläche normalerweise nicht verzichten. Dazu kommt, dass Dämpfung und Stabilität auch bei hochwertigen Modellen materialbedingt nur über eine begrenzte Lebensdauer erhalten bleiben. Ebenso ist es bei funktionaler Wetterschutzkleidung immer noch eine Herausforderung, eine gewisse Wasserdichtigkeit und Atmungsaktivität ohne synthetische Fasern oder gar Flourchemie zu erreichen.

Nicht nur nachhaltig Laufen, sondern auch Wandern

Dieser Herausforderung stellt sich der Schweizer Running-und Outdoor-Spezialist seit einiger Zeit auch mit Wanderschuhen und Bekleidung, die einen ökologisch schlanken Fuß machen sollen: So besteht etwa das Wanderschuhmodell Cloudridge zu 90 Prozent aus recyceltem Polyester, dessen Anteil in Zukunft noch erhöht werden soll. Oder der neuen, komplett ungefärbte Cloudrock Edge Raw: Dessen Oberschuh ist zu mehr als 80 Prozent aus Recycling-Polyester hergestellt, die Sohle zu 30 Prozent.

Der Wanderschuh Cloudridge besteht zu 90 Prozent aus reycyceltem Polyester

Biologischer Wetterschutz nach Schweizer Bergtradition

Dazu können sich umwelt- und modebewusste On-Fans das Swiss Legacy Jacket überstreifen. Aus dicht gewebter Bio-Baumwolle gefertigt soll es rauen Wetterbedingungen genauso gut stand halten wie synthetische Materialien.

Wetterfestes Swiss Legacy Jacket aus Bio-Baumwolle

Wenn die spezielle Baumwolle Feuchtigkeit ausgesetzt ist, dehnen sich ihre dicht gewebten Fasern aus und versiegeln so den Stoff. Eine Beschichtung mit natürlichen Ölen lässt zusätzlich Wasser abperlen.

Die Null-Abfall-Hütte

Wer derart komplett nachhaltig ausgerüstet dann auch noch zur On-Zero-Waste-Hütte im Engadin wandert, dem kann in Sachen Nachhaltigkeit niemand mehr so schnell etwas vormachen. Die minimalistische On-Mountain-Hut wurde erstmals im Sommer 2019 aufgebaut und war allerdings nicht für die breite Öffentlichkeit zu mieten. 2020 scheiterte eine Neuauflage an der Corona-Pandemie, und auch 2021 musste der Aufbau der futuristisch anmutenden Berghütte verschoben werden. Wenn sie dann doch einmal wieder stehen sollte, kann sie rückstandslos abgebaut werden, daher “Zero-Waste-Hütte”, und sie gewinnt ihre Energie über Solarzellen.

Wo Flüsse und Ideen ihren Ursprung nehmen…

Und zwar steht die Hütte – wenn – an einem besonderen Ort im Engadin: dem Piz Lunghin, auch das Dach Europas genannt. Im Tal dieses Berges ist einer der Gründer, Caspar Coppetti, aufgewachsen. Auch heute noch staunt er über diesen mächtigen Berg, wo gleich drei der größten europäischen Flüsse beziehungsweise ihre diversen Zubringer ihren Ursprung nehmen: Donau, Rhein und Po. So ist der Pass Lunghin im Nordwesten des Gipfels der wichtigste Wasserscheidepunkt in Mittel- und Westeuropa, wo das Wasser nordwärts in den Rhein zur Nordsee fließt, südwärts über Umwege in den Po und schließlich ins Mittelmeer mündet, sowie ostwärts über Inn und Donau ins Schwarze Meer. Auch die beiden anderen Gründer, der ehemalige Profi-Triathlet Olivier Bernhard sowie David Allemann fühlen sich der Bergwelt verbunden und bringen ihre Erfahrungen in die Produktentwicklung ein.

Die On-Gründer auf Höhenflug

Nachdem Bernhard seine Wettkampfkarriere beendet hatte, widmete sich der mehrfache Ironman-Gewinner der Idee, einen Laufschuh für das perfekte Laufgefühl herauszubringen. Dafür tat er sich mit dem gleichgesinnten Schweizer Ingenieur David Allemann zusammen, mit dem er das Grundkonzept „gedämpfte Landung, kraftvoller Abstoß“ so weit verfeinerte, bis 2010 die ersten On-Laufschuhe in die Geschäfte kamen. Elf Jahre später kann man On-Laufschuhe nunmehr in rund 7.800 Geschäften in zahlreiche Ländern oder online kaufen. Außer dem Headquarter in Zürich gibt es Büros in Berlin, den USA, Japan, China, Brasilien und Australien. Für das Design und technologische Fortschritte gab es bereits zahlreiche Auszeichnungen. Bis heute gilt das Laufgefühl wie auf Wolken als Markenkern, in den vergangenen Jahren kam vor allem das Thema Nachhaltigkeit immer mehr dazu. Zudem ist der Tennisprofi Roger Federer vor einiger Zeit bei On eingestiegen und hat eine Reihe von Schuhmodellen wie den Sneaker “The Roger” mitentwickelt.

On-Investor Roger Federer bringt seine Erfahrung als Spitzensportler in die Produktentwicklung ein

Links:
https://www.on-running.com/de-de

Abo-Schuh Cyclon:
www.on-running.com/en-ch/cyclon

Ungefärbter Cloudrock Edge Raw:
www.on-running.com/de-de/products/cloudrock-edge-raw/mens/undyed

Bio-Baumwoll-Wanderumhang Swiss Legacy Jacket:
www.on-running.com/de-de/products/swiss-legacy-jacket

Zero-Waste-Hütte:
https://www.on-running.com/de-ch/articles/designed-different-meet-the-mountain-hut-maker-test

https://www.on-running.com/de-ch/articles/outdoor-a-retreat-before-the-restart-a-few-days-in-the-on-mountain-hut

Modelle von und mit Roger Federer:
https://press.on-running.com/the-roger-clubhouse-reloaded, https://press.on-running.com/make-a-different-kind-of-statement, https://press.on-running.com/roger-federer-and-on-launch-a-highly-technical-tennis-inspired-sneaker

Text: Stefanie Weinberger
Bilder:
Cyclon, Cloudridge, Mitgründer, Logo, Roger Federer: On
Swiss Legacy Jacket: Lukas Wassmann/ On
Mountain Hut: Anne Lutz & Thomas Stöckli / On

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