Elmoto Loop: Stylischer Eyecatcher für urbane Gefilde

„Krass, cooles Teil. Ist der elektro?“ Die drei Jungs, die vor mir an der Ampel die Straße queren, kriegen sich kaum mehr ein vor Begeisterung über den schlanken Zweirad-Stromer unter mir. Kein Zweifel, das E-Moped des bekannten E-Roller-Herstellers Govecs erregt Aufmerksamkeit und erfährt eine durchwegs positive Resonanz. Ob sein Charakter dem äußeren Schein entspricht und sich das „Elmoto Loop“ auch als alltagstauglich erweist, konnten wir in einer längeren Testphase überprüfen.

Es wäre ein Leichtes, erst mal aufzuzählen, für wen und für welche Zwecke sich das Elmoto nicht oder zumindest nur eingeschränkt eignet. Formulieren wir es aber lieber positiv, nämlich, dass dieses lediglich 59 Kilo leichte und wendige Gefährt prädestiniert ist, um sich flink durch den Stadtdschungel zu schlängeln. Mangels Platzangebot zwar ohne nennenswerte Zuladung und – zumindest schwergewichtigeren – Mitfahrenden auf der Sitzbank, da diese die Agilität deutlich einschränken würden, ebenso wie die Reichweite. Dennoch besteht grundsätzlich die Option, Sozius/Sozia-Fußrasten anzubringen und sich zu zweit für kürzere Strecken auf das Elmoto zu zwängen.

Zielgruppe

Als Kernzielgruppe hat Govecs vor allem eine jüngere, städtische Klientel im Blick, obgleich, wie unser Testteam belegt, durchaus auch ältere Semester ihren Spaß mit dem Flitzer haben. Wer keinen Wert darauf legt, ausgerechnet durch das Knattern eines Zweitaktverbrenners Aufmerksamkeit zu erlangen, dürfte sich bereits mit 16., z.T. schon ab 15 Jahren, für den Leichtstromer interessieren, der mit der Führerscheinklasse AM gefahren werden kann. Eingestuft wird er in der Klasse L1e der zulassungsfreien Krafträder, an deren Heck sich ein kleines Versicherungskennzeichen befindet. Anders als Pedalierer von schnellen E-Bikes („S-Pedelecs“), die wie das Elmoto ebenfalls bis auf 45 km/h beschleunigen, werden die Elmoto-Fahrerinnen von erzürnten Autofahrern nicht ständig darauf hingewiesen, doch gefälligst den Radweg zu benutzen. In dem Irrglauben, dass schnelle E-Bikes, gleichfalls mit einem Kennzeichen ausgestattet, Radwege benutzen dürfen…

Ein attraktives Stadtgefährt insbesondere für eine jüngere Zielgruppe

Ausstattung

Bevor sich Govecs an die Übernahme und Weiterentwicklung des Modells gemacht hatte, gab es einen Vorgänger unter dem Brand Elmoto. Im Gegensatz zu diesem ist der Akku nun herausnehmbar. Ein großer Vorteil, da sich somit das Spektrum potentieller Kunden deutlich, etwa durch Mieter/Inhaber von Etagenwohnungen, erweitert.  Voll aufgeladen ermöglicht der Akkublock eine Reichweite von ca. 70 Kilometer und kann in gut vier Stunden an der Haushaltssteckdose aufgeladen werden kann. Der E-Motor im Hinterrad leistet bis zu 2,0 kW (2,7 PS) und arbeitet angenehm leise. Obligatorisch sind Blinker, Tagfahrlicht, LED-Scheinwerfer sowie ein Display. Beim Blinkerschalter würde man sich eine Ausführung wie sie bei Rollern üblich ist wünschen, da die schmale Kippschalterlösung auf Dauer den Daumen doch unangenehm beansprucht.

Dort, wo bei Verbrennern üblicherweise der Tankdeckel sitzt, befindet sich beim Elmoto eine Klappe, die sich mit einem Schlüssel öffnen lässt. Dahinter verbirgt sich neben einer USB-Doppelsteckdose ein Kabelzug zur Entriegelung der Sitzbank. Wird diese hochgeklappt, erhält man Zugriff auf den Akku, der auch in eingebautem Zustand geladen werden kann. Wünschenswert wäre dabei allerdings, dass sich der Stecker des Ladegeräts einfacher arretieren ließe als bei der momentanen Lösung, die doch ein gewisses Gefummel mit sich bringt. Mit etwas Übung lässt sich der Akku trotz der engen Maße und der Kabel, an denen es vorbei zu manövrieren gilt, relativ problemlos entnehmen und einsetzen. Er steht bündig auf einer Bodenplatte mit Randerhöhung. Für zusätzliche Stabilität sorgt zudem das Eigengewicht der Batterie. Weshalb der Hersteller jedoch ein Band mit Klettverschluss als zusätzliche Befestigung vorgesehen hat, bleibt uns ein Rätsel. Womit wir wieder beim Thema Gefummel wären…Den bestenfalls lästigen Vorgang zu beschreiben, das Band überhaupt erst mal zu greifen zu bekommen, um es schließlich durch die Handschlaufe des Akkus ziehen zu können, würde hier einen eigenen Absatz erfordern. Geschenkt. Jedenfalls haben wir uns das lästige Prozedere letztlich gespart – ohne danach irgendwelche negativen Effekte festzustellen.

Für das Lenkradschloss haben sich die Govecs-Entwickler eine ausgesprochen pfiffige Lösung erdacht: Auf der linken Seite des Mopeds ist ein stabiles Kabel fest mit dem Rahmen verbunden. Es lässt sich jedoch nach oben schwenken und an der nach links eingeschlagenen Vordergabel mit einem Schlüssel befestigen. Einfach, pragmatisch, sicher.

Pfiffige und praktische Schlosslösung mit schwenkbarem Stahlkabel

Erfahrungen

Das Elmoto loop besonders komfortabel zu nennen wäre schlichtweg übertrieben, sind die Sitzbank sowie die Dämpfer vorne und hinten doch eher von der härteren Sorte. Trotz dieser straffen Auslegung werden etwa Kanaldeckel ordentlich geschluckt, auch wenn akustische Rückmeldungen davon zeugen, dass das Gleiten auf ebenem Asphalt die eigentliche Domaine des Zweirad-Stromers ist. Entsprechend fällt auch die Profilierung der leisen Schwalbe Reifen aus.

Hoher Spaßfaktor: aus dem Stand legt das Elmoto – elektrotypisch – zügig los und zieht bis zum vorgeschriebenen Speedlimit von 45 km/h weiter dynamisch hoch. Damit ist trotz der limitierten Höchstgeschwindigkeit ein flottes Vorankommen beim städtischen „Ampelhüpfen“ garantiert. Als rollendes Verkehrshindernis wird das Moped jedenfalls nicht wahrgenommen. Der schlanke Body ermöglicht es zudem, sich leichter als mit einem Roller durch das Verkehrsgetümmel zu schlängeln.

Lässt sich die Geschwindigkeit im Display problemlos ablesen, so sieht es mit der Ladestands-Anzeige leider anders aus. Wir konnten selbst ohne Sonneneinstrahlung bei bedecktem Himmel bestenfalls erahnen, wann es Zeit wäre, einen „Tankstopp“ einzulegen.  Nur in der nicht-beleuchteten Tiefgarage ging uns diesbezüglich ein Licht auf…

Die Ladestandsanzeige (links) ist nur im Dunklen zu erkennen.

Dies stellt zwar ein Manko dar, ein schwerwiegendes Problem ergibt sich daraus hingegen nicht. Schließlich entwickeln die Fahrerinnen nach einer gewissen Zeit ein recht gutes Gefühl dafür, wie lange die Akku-Kapazität noch reichen wird. Ohnehin empfiehlt es sich, immer mal zwischendurch zu laden, auch wenn die Batterie noch genügend Reichweite für den nächsten Trip garantiert. Das tut dem Akku gut und hilft gegen Reichweitenangst. Lästig, aber gleichfalls wenig dramatisch ist die eingeschränkte Sicht nach hinten, wenn sich der Spiegel mal wieder – etwa nach Kopfsteinpflaster-Passagen – verstellt hatte. Ihn danach wieder in die richtige Position zu bringen, erfordert ein gewisses Maß an Geschick bzw. Geduld.

Fazit:

Das Elmoto loop ist ein vorzügliches Gefährt, um emissionsfrei und flott durch den städtischen Verkehr zu flitzen. Es bietet einen hohen Spaßfaktor und ist ein echter, weil stylischer „Eyecatcher“. Der Preis liegt mit 3990 Euro in einem Bereich, der zwar nicht für alle Jugendlichen erschwinglich ist, jedoch auf einem Niveau, auf dem sich auch S-Pedelecs – mindestens – bewegen. Zu diesen, wie auch zu klassischen (E-)Rollern ist das E-Moped von Govecs eine echte Alternative. Sollten der Bund oder auch einzelne Bundesländer und Kommunen dem Beispiel etwa von München folgen und den Kauf von E-Zweirädern der Klassen L1e-L3e mit bis zu 1200 Euro bezuschussen, würde dies die Attraktivität des Elmoto loop zusätzlich erhöhen, zumal dann, wenn die nächste Modellgeneration noch die eine oder andere Detailverbesserung aufweisen sollte.

https://www.govecs-scooter.com/modelle/elmoto-loop

Text: Peter Grett
Bilder: Lutz Duerichen
Bilder Schloss und Display: Peter Grett

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