Mercedes-Benz EQA: Einstieg in die Elektroklasse ab 47.550,50 Euro

Da ist er also, der Hoffnungsträger von Daimler. Der kleine Mercedes-Benz EQA 250. Präsentiert wurde die elektrische GLA-Klasse unter anderem von einem recht jungen Team und von Persönlichkeiten aus der Social-Media-Szene. Alles keine ausgewiesenen Elektroprofis, weshalb auch die Aussagen hier und da ein gewisses Stirnrunzeln hinterliessen. So teilten uns die gescripteten Influencer mit, dass der Wagen unglaublich leise unterwegs sei – bei einem Elektroauto würde man kaum was anderes erwarten. Öfter fragt man sich bei der hypen Präsentation der Influenzer „Whiskey-Tango-Foxtrott“. Wir sind vermutlich einfach nur altmodisch, bevorzugen aber einen hin und wieder leicht stotternden CEO vor schwarzem Hintergrund und Videoleinwand.

Der neue Mercedes-Benz EQA 250, quasi die Stromvariante der SUV-Version der A-Klasse. Stylish in Szene gesetzt, ab 47.550 Euro.

Butter bei de Fische: ist der EQA konkurrenzfähig?

Das wird sich erst nach einer Probefahrt weisen. Tatsächlich geht der kleine Elektrobenz mit stolzgeschwellter Brust und äußerst selbstbewußt an den Start. Zumindest die Eckwerte versprechen eine gewisse Konkurrenzfähigkeit: 66,5 kWh-Batterie, Frontantrieb mit 140 kW (rund 190 PS) Leistung und einem Drehmoment von 375 Nm. Das sind für ein Elektroauto keine wirklich herausragenden, aber durchaus vielversprechende Werte. Ein Hyundai Kona, zwar mit rund 4,2 Metern etwas kleiner, hat da kaum schlechtere Werte. Und um gleich mal die brennende Frage vorwegzunehmen: mit 47.550,50 Euro Startpreis (vor Subventionen) ist der EQA 250 auch kein Schnäppchen, denn die Aufpreisliste, das haben wir über die Jahre gelernt, ist bei Daimler recht lang.

Das Interieur ist typisch Mercedes. Hochwertig, mit dominantem Monitor-Dashboard.

Design

Keine Experimente. Der EQA ist nichts weiter als ein etwas aufgehübschter GLA. Damit ist auch schon klar, dass der Wagen genauso wie sein großer Bruder, der EQC mit gewissen Widrigkeiten aus der Verbrennerwelt zu kämpfen hat. So dürfte auch hier kein Frunk vorhanden sein. Das scheint bei den deutschen Premiumherstellern irgendwie so zu sein, wie weiland die Getränkehalter. Die konnten sich in den deutschen Versionen auch nur sehr zögerlich durchsetzen.  Das Interieur macht einen hochwertigen Eindruck, ganz so wie man es schon beim EQC kennen- und schätzengelernt hat. Mit 4,46 Metern Länge ist der EQA natürlich etwas kleiner als der große Bruder, hat aber bei der (optionalen) Ausstattung sämtliche Gimmicks der Oberklasse mit an Bord. Das dürfte bei Vollausstattung nicht billig werden.

Die Mercedes-Benz-Elektro-Architektur kämpft immer noch mit der Hypothek der Verbrenner-Varianten.

Technik und mehr

Betont hat man bei der Präsentation, dass der Wagen serienmäßig mit einer Wärmepumpe kommt. Damit und dem Hinweis auf die „Windschlüpfrigkeit“ (cw-Wert von 0,28) des eSUV beschwört man auch die gesteigerte Effizienz beim Newcomer. Und effizienter als der große Bruder sollte er schon sein, denn mit knapp über 2 Tonnen ist das Gewicht des „kleinen“ Benz deftig über dem Klassenstandard. Mit einer WLTP-Reichweite von 420 Kilometern und einem Durchschnittsverbrauch von 15,7 kWh will man dokumentieren, dass man den Anschluß an die Elektro-Avantgarde gefunden habe. Daimler geht sogar so weit, 486 Kilometer „NEFZ“-Reichweite anzugeben. Wieviel da in der Realität übrig bleibt, muss erst noch „erfahren“ werden, wir rechnen jedenfalls mit deutlich unter 400 Kilometern.

Cockpit mit Touchscreen und MBUX-Technologie. Das Lenkrad wirkt mit den vielen Knöpfen ein bißchen überladen.

Das Drumherum

Wie lade ich den Stromer auf, und wo? Fragen, die natürlich bei Daimler wichtig werden, im Gegensatz zur schnöden US-Konkurrenz von Tesla. Die haben ihr eigenes Schnellladenetz das die Fahrzeuge blitzschnell aufladen kann. Daimer ist im IONITY-Verbund, da finden sich naturgemäß nicht so viele Stationen. Gleichstromladen soll mit maximal 100 kW möglich sein und Wechselstromladen geht immerhin mit 11 kW. Das konnte der große Bruder anfänglich nicht. Das DC-Laden ist aber gemessen am Anschaffungspreis eher ein suboptimaler Wert.

Die Top-Speed des eSUVs soll bei den klassenüblichen 160 km/h liegen. Für diejenigen, die etwas mehr Bumms erwarten, hat Daimler eine Allradvariante mit 200 kW (270 PS) und größerer Batterie angekündigt. Die dürfte dann in der Grundausstattung mehr kosten als ein gut ausgestattetes Tesla Model Y Performance.  

e-engine meint: keine Überraschungen von Mercedes, aber theoretisch ein solider Stromer, der zumindest den Einstieg in die Mercedes-Elektromobilität, Marke „das Beste oder nichts“ leichter macht. Nach Subventionen kostet der EQA 250 knapp unter 39.000 Euro. Allerdings sind die Konkurrenten kaum weniger attraktiv. Mit rund 48.000 Euro in der Grundausstattung konkurriert der EQA direkt mit dem kaum teureren VW ID.4, dem günstigeren VW ID.3, dem toll designten Škoda ENYAQ und natürlich mit den üblichen Verdächtigen aus Korea.

Zwar strahlt ein Hyundai Kona nicht so hell, seine inneren Werte und die vielfach bewiesene Effizienz sind schwer zu schlagen und demnächst debütiert zudem die IONIQ-Linie. Bliebe noch Tesla. Das Model Y Long Range Plus fängt bei rund 58.000 Euro an, hat aber (fast) alles an Bord, was möglich ist. Ein gut ausgestatter EQA wird in etwa ähnlich viel kosten, nur dass Tesla hier Eckwerte liefert, die den neuen EQA schon bei Erscheinen alt aussehen lassen. Es wird für den EQA 250 nicht leicht werden. Marktstart ist, und das ist ein Novum, bereits am 4. Februar.

Text: Bernd Maier-Leppla
Bilder: Mercedes

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