Der Mustang lädt im Schatten des Prairerhofs, mitten im kleinen Dorf Schenna oderhalb von Meran. Hinter ihm die Kirche, das Schloss und die Berge. Vor uns liegt eine Art „e-Ralley“ der etwas anderen Art, „eine elektrische Genussfahrt“, die heuer schon zum dritten Mal stattfindet. Uns erwarten Tage, in denen wir viel fahren werden. Aber nicht nur. Vielleicht beschreibt genau dieses Bild die Schenna eMotion am besten: Die Technik ist da. Sie funktioniert. Sie macht vieles möglich. Aber sie drängt sich nicht nach vorne. Weil sie in Schenna nicht muss!Denn das Besondere an dieser Veranstaltung, die vom örtlichen Tourismusverein veranstaltet wird, passiert nicht auf der Straße allein. Es passiert beim Aussteigen. Im kühlen Sektbunker nach einem heißen Vormittag. Im Zirbenduft eines Berghotels. Im Nebel am Stilfserjoch. Beim Apfelsaft, der plötzlich nicht mehr einfach Apfelsaft ist. Beim Käse, hinter dem ein ganzes Hofkonzept steht. Und in Gesprächen mit Menschen, die in ihrer Region nicht nur leben, sondern diese weiterdenken.

Wir kamen mit dem Ford Mustang Mach-E nach Schenna, um elektrisch zu fahren. Zurückgekommen sind wir mit dem Gefühl, dass neue Mobilität erst dann richtig spannend wird, wenn sie mehr bewegt als nur Fahrzeuge. Schon die Anreise war diesmal Teil der Geschichte. Wegen der Brennersperrung fuhren wir früher los und nahmen den Weg über das Timmelsjoch. Rückblickend war das keine Umleitung, sondern ein Auftakt. In Schenna angekommen, durfte der Mustang laden. Wir auch.
Vom e4Testival am Hockenheimring nach Schenna
Unser Zugang zur Schenna eMotion entstand über die ADAC eCompetition beim e4TESTIVAL am Hockenheimring – und über eine Kooperation, die uns als INSTITUT NEUE MOBILITÄT und JU-KNOW besonders freut. Denn ob auf der Rennstrecke oder in den Bergen: Elektromobilität überzeugt dann, wenn Menschen sie selbst erleben.
Schenna kann Auto. Aber eben nicht nur.
Was uns an Schenna besonders gefällt: Mobilität wird hier nicht dogmatisch erzählt. Man kann elektrisch über Pässe fahren. Man kann mit dem Bus unterwegs sein. Man kann direkt vom Ort aus loswandern. Man kann automobile Geschichte bei der Südtirol Classic Schenna feiern und gleichzeitig bei der Schenna eMotion erleben, wie neue Mobilität heute aussehen kann. Das wird nicht gegeneinander ausgespielt. Es darf nebeneinander existieren.

Wir haben die ersten Tage bewusst ohne Auto verbracht. Mit Bus, Gästekarte und zu Fuß. Bei über 30 Grad waren die Waalwege genau richtig: schattiger Wald, Wasser, Obstplantagen, kleine Ausblicke, große Ausblicke, ein Kaffee am Waal, Gespräche unterwegs. Kaum war man aus dem Bus ausgestiegen, verteilte sich alles. Plötzlich war da wieder Ruhe.

Auch das ist nachhaltiges Reisen: nicht immer fahren, nur weil man fahren könnte. Sondern das wählen, was zum Moment passt. Der Mustang Mach-E gehörte für die großen Panoramastraßen und die besonderen Fahrerlebnisse dazu. Genauso wie Bus und öffentliche Verkehrsmittel. Sie machten viele Wege angenehm unkompliziert. Und manches erschließt sich ohnehin erst, wenn man langsam unterwegs ist – zu Fuß auf den Waalwegen, durch die Gassen oder bei einem spontanen Stopp am Wegesrand. Gerade diese Mischung machte die Tage in Schenna so rund.
Kein Fahrevent. Ein Erfahrungsformat.
Natürlich wird bei der Schenna eMotion gefahren. Und ja, die Strecken sind großartig. Aber wer nur auf die Route schaut, übersieht das Eigentliche. Die Schenna eMotion ist kein klassisches Fahrevent. Sie ist eher ein Erfahrungs- und Erlebnisformat. Man fährt. Man steigt aus. Man probiert. Man hört zu. Man lacht bei einer Challenge. Man kommt mit Menschen ins Gespräch. Dann steigt man wieder ein, fährt durch die nächste Landschaft und merkt, dass der letzte Stopp noch nachwirkt.

Die kleinen Aufgaben gehören dazu: Putten am Golfplatz, Fragen zu den besuchten Orten, Schätzaufgaben, Geschicklichkeitsspiele, kleine Prüfungen rund ums Auto und Fahren. Das klingt nach Spaßprogramm – und das ist es auch. Aber es erfüllt noch etwas anderes: Es bringt Menschen zusammen.

Man steht nicht nur nebeneinander, man redet miteinander. Über Autos, über Strecken, über Ladeerfahrungen, über die Region, über gutes Essen, über Geschäftsmodelle, über das, was hängen bleibt. Die Gruppe war bunt gemischt: Urlauber, E-Mobilitätsfans, Menschen aus der Branche, Influencer, Journalisten, über alle Altersklassen hinweg. Genau diese Mischung ist es, die sie so einzigartig macht. Und trotzdem blieb es leicht. Einfach Leichtigkeit und Neugier.
Die Menschen machen die Landschaft erst besonders
Südtirol ist schön. Das ist nichts neues. Schenna liegt wie eine Sonnenterrasse über Meran, mit Blicken, die man auf keinem Foto festhalten kann. Aber Landschaft allein macht noch keine Erfahrung. Entscheidend sind die Menschen, die diese Landschaft gestalten und ihr Bedeutung geben.

Beim Sektbunker Praeclarus in St. Pauls war das sofort spürbar. Draußen Hitze, drinnen angenehme Kühle. Schon der historische Pfarrhof mit seinen blühenden Geranien vermittelt das Gefühl, an einem besonderen Ort angekommen zu sein. Martin Schwarzer von der Endothek vis à vis führte uns mit Leidenschaft und Hintergrundwissen durch die Anlage. Danach: Käse, Bruschetta, Sekt und Wein. Vor allem dieses kleine unscheinbare Bruschetta-Häppchen blieb in Erinnerung. So unscheinbar. Und dann eine solche Geschmacksexplosion.

Oder die Begegnung mit Elisa Artioli, die Enkelin von Romano Artioli, der die Marke Bugatti in den 90erm wiederbelebte, in der Orchideenwelt. Vor dem Eingang ein Lotus Emeya, eine Lotus Elise und einer der ersten Tesla Roadster, eine „elektrifizierte Elise“ – automobile Geschichten aus verschiedenen Zeiten. Elisa erzählte die Geschichte der Elise, die nach ihr benannt wurde. Nicht wie ein Vortrag, sondern persönlich, charmant, verbunden.

Da merkt man: Technik hat immer auch Biografie. Autos sind nicht nur Produkte. Sie sind Erinnerungen, Entscheidungen, Träume, manchmal sogar Familiengeschichte. Solche Momente machen den Unterschied.
Wenn Wetter zum Geschenk wird
Am zweiten Fahrtag ging es Richtung Stilfserjoch. Das Wetter war zunächst nicht das, was man sich für eine Alpenausfahrt wünscht. Wolken, Schauer, wenig klare Sicht. Erst fanden wir das schade. Später nicht mehr.

Denn die Strecke bekam dadurch etwas Mystisches. Nebel hing in den Hängen, Wolken zogen über die Straße, Regen wechselte mit kurzen hellen Momenten. Der Mustang kletterte leise nach oben. Kurve um Kurve. Kein Lärm, ein ruhiges, kraftvolles Gleiten.

Oben an der Tibethütte änderte sich die Szenerie dann alle paar Minuten. Nebel, Regen, kurze Schneeschauer, dann wieder ein Fenster in die Landschaft. Man hätte dort stundenlang sitzen können und einfach nur schauen. Auch hier waren es nicht nur Aussicht und Höhe, sondern die Geschichten dahinter. Die Wirtin erzählte mit ruhiger Herzlichkeit von der Verbindung ihrer Familie zu Heinrich Harrer, was uns sehr beeindruckte. Plötzlich wurde verständlicher, warum ausgerechnet hier oben eine Tibethütte steht. Der Ort bekam Tiefe.

Kurz zuvor hatten wir im Bella Vista, einem Hotel und Restaurant von Skilegende Gustav Thöni, am Fuße des Stilfserjochs einen Kaffeestopp eingelegt. Schon beim Eintreten wurden wir vom wohligen Duft des Zirbenholzes begrüßt. Ein Raum, der Ruhe ausstrahlt. Ein Ort, an dem alte Substanz und die moderne Architektur von Matteo Thun nicht gegeneinander arbeiten, sondern zusammenfinden. An diesem Tag passte vieles zusammen: Nebel und Weite, alte Geschichten und neue Formen, Passstraße und Einkehr, Fahrdynamik und Stille. Manchmal bekommt man nicht das Wetter, das man wollte. Sondern das, das eine Geschichte besser macht.
Der Impuls vom Hof
Einer der Stopps, die bei uns besonders nachgewirkt haben, war die Hofkäserei Englhorn. Nicht nur wegen des Käses. Sondern wegen der Haltung dahinter.Alexander Englhorn denkt in seinem eigenen Bereich groß. Nicht laut, nicht theoretisch, sondern sehr konkret. Welche Tiere passen zu welcher Haltung? Wie wird Milch verarbeitet? Wie bleibt Wertschöpfung beim Hof? Welche Rolle spielt ein Netzwerk? Wie erzählt man ein Produkt so, dass Menschen verstehen, warum es anders ist?
Die Milch wird nicht gepumpt. Die Tiere werden nicht zugefüttert, sondern leben vom heimischen Gras. Die Rasse wurde bewusst umgestellt, weil die vorherige nicht zur gewünschten Haltung passte. Es gibt keinen anonymen Straßenverkauf, sondern einen Hofladen. Wer den Hof betritt, erlebt unmittelbar, wo und wie die Produkte entstehen – und entwickelt automatisch einen anderen Bezug dazu.

Das klingt nach Kleinigkeiten. Aber genau solche Kleinigkeiten verändern Wahrnehmung. Wir hatten erwartet, dass der Käse bei diesem Aufwand sehr teuer sein müsste. War er aber nicht. Er war angemessen. Fair. Nachvollziehbar. Für uns war das einer dieser Momente, in denen man etwas mitnimmt, das über den Urlaub hinausgeht. Auch beruflich. Gute Geschäftsmodelle entstehen nicht immer durch Größer-werden. Manchmal entstehen sie durch genaueres Hinschauen, bessere Netzwerke, konsequente Entscheidungen und die Bereitschaft, altes Wissen neu zu denken.
Schmecken, riechen, genauer hinschauen
Am nächsten Tag führte die Tour Richtung Bozen und hinauf Richtung Rittner Hochplateau. Wegen eines Steinschlags blieb uns ein Teil der geplanten Strecke verwehrt, angeblich der Schönste. Aber ehrlich gesagt: Wenn es niemand gesagt hätte, hätten wir vermutlich nichts gemerkt. Die Ausblicke waren einfach wunderbar.
Beim Obsthof Kohl wurde Apfelsaft plötzlich zu einem Thema, über das man länger sprechen kann. Unterschiedliche Sorten, unterschiedliche Charaktere. Man merkt erst bei so einer Verkostung, wie wenig bewusst man manche Dinge im Alltag wahrnimmt.

Später in der Kaffeerösterei ging es uns ähnlich. Beim Wein bestellen wir selten einfach nur „einen Wein“. Wir fragen nach Rotwein, Weißwein, Rosé, Sorte, Herkunft. Beim Kaffee sagen viele von uns einfach: „einen Kaffee bitte“. Arabica? Robusta? Röstung? Herkunft? Meistens keine Ahnung. Da sind wir von echter Kaffeekultur oft weiter entfernt, als wir denken.

Auch das ist Schenna eMotion: nicht nur fahren, sondern genauer werden. Im Schmecken, im Riechen, im Hören, im Fragen. Und dann diese kleine Challenge: 100 Gramm Kaffee in ein Tütchen füllen. Ein echter Schwabe macht das Tütchen natürlich einfach voll und pfeift auf die Challenge. Man durfte es ja mitnehmen. Was man hat, hat man.

Mensch und Technik
Vielleicht hat uns diese Reise auch deshalb so beschäftigt, weil wir uns in den Monaten davor intensiv mit Künstlicher Intelligenz auseinandergesetzt hatten. Mit Anwendungen, Chancen, Risiken und immer wieder mit der Frage: Was bedeutet Technik für uns Menschen? In Schenna war viel Technik im Spiel. Der Mustang Mach-E. Ladeinfrastruktur. Navigation. Organisation. Kommunikation. Sicher auch digitale Prozesse im Hintergrund. Aber sie drängte sich nicht nach vorne. Sie funktionierte einfach. Vorne standen Menschen. Gastgeber, Produzenten, Fahrerinnen und Fahrer, Organisatoren, Wirte, Gesprächspartner. Menschen, die mit dem arbeiten, was ihre Region hergibt. Die Tradition nicht als Museum verstehen, sondern als Grundlage. Die offen sind für Neues, ohne das Alte wegzuwerfen. Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis dieser Reise: Technik wird dann wertvoll, wenn sie Menschen stärkt.

Der Mustang Mach-E hat uns leise und kraftvoll durch Südtirol getragen. Die Ladeinfrastruktur hat Sicherheit gegeben. Die Organisation hat Orientierung geschaffen. Aber die Erinnerung entsteht durch Begegnung. Durch Geschmack. Durch Gespräche. Durch einen Satz, der hängen bleibt. Durch unseren Gastgeber Thomas vom Prairerhof, der zum Abschied nicht einfach ein Tütchen eigen produzierter Apfelringe überreicht, sondern zu jeder Sorte etwas sagt. Authentisch – ehrlich – verbindend. Kleine Geste. Große Wirkung.
Was bleibt
Am Ende war die Schenna eMotion für uns kein Fahrevent. Und auch kein klassischer Urlaub. Sie war eine besondere Kombination aus elektrischer Fahrfreude, Landschaft, Genuss, regionaler Stärke, Gastfreundschaft, spielerischem Austausch und Impulsen, die länger bleiben als die Erinnerung an eine schöne Strecke.

Man fährt durch beeindruckende Landschaften. Man erlebt, wie viel Spaß elektrische Fahrdynamik machen kann. Man lässt das Auto stehen und merkt, dass Schenna auch ohne Auto wunderbar funktioniert. Man begegnet Menschen, die in ihrem Bereich etwas bewegen. Man bekommt Gedanken mit, die vielleicht sogar ins eigene Berufsleben hineinreichen.
Und irgendwann versteht man: Das Wertvolle ist nicht nur die Strecke. Es ist das, was zwischen den Stopps passiert. Wir kamen mit dem Mustang nach Schenna, um elektrisch zu fahren. Zurückgekommen sind wir mit dem Gefühl, dass neue Mobilität dann richtig gut wird, wenn sie nicht nur Fahrzeuge bewegt – sondern Menschen miteinander verbindet.
Herzlichen Dank an alle, die diese Tage möglich gemacht haben. Für eine von uns waren sie zudem ein ganz besonderes Geschenk: ein runder Geburtstag in Schenna. Einen schöneren Rahmen hätte man sich kaum wünschen können.

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