Was genau bedeutet Nachhaltigkeit bei Hyundai? Wir haben nachgefragt. 

„Progress for Humanity“ nennt sich die Hyundai Markenvision von einer umfassenden auf Nachhaltigkeit gegründeten Konzeption der Zukunft angesichts der globalen Herausforderungen, vor die sich die menschliche Gesellschaft gestellt sieht. In diesem umfassenden Rahmen hat der Hersteller auf der IAA Mobility 2021 das Unternehmensziel „Klimaneutral 2045“ verkündet und arbeitet mit Hochdruck an umweltfreundlichen Mobilitätskonzepten für heute, morgen und übermorgen.  

Das Ziel, bis 2045 klimaneutral zu sein, gilt bei Hyundai für alle Produktionsstufen und Unternehmensbereiche. Durch die Elektrifizierung der Produktpalette, der Wiederverwertung bzw. dem Upcyling von Materialien und Investitionen in zukunftsweisende Energieformen ist Hyundai auf dem Weg zu einer vollständig nachhaltigen Wertschöpfungskette. Beispiele:

E-Mobilität
Hyundai verfügt über die vielfältigste Elektromodellpalette Europas und ist führend bei wichtigen Zukunftstechnologien, wie etwa der Entwicklung von Vehicle-to-X, insbesondere Vehicle-to-Grid sowie Wasserstoffanwendungen im Pkw- sowie Lkw-Bereich. Über das Programm „Charge myHyundai“ speist der Hersteller die äquivalente Menge der darüber geladenen Energie als Ökostrom in das Stromnetz wieder ein. Und: Hyundai wird ab 2035 in Europa keine Fahrzeuge mehr mit Verbrennermotoren verkaufen.

Rest- und Altstoffe für Upcycling in der Modebranche
Auch außerhalb des Automobilhorizontes  finden Reststoffe wie Verschnitt und Textilien aus der Produktion und aus ausgedienten Fahrzeugen neue Verwendungsmöglichkeiten. Beim

Hyundai-Projekt Re:Style erhalten solche Wertstoffe ein neues textiles Leben in Form exklusiver Designer-Mode oder als funktional-schöne Accessoires. Das Projekt, das 2019 gestartet wurde, befindet sich 2023 in der vierten Auflage. Diesmal entstehen aus Produktionsresten Haute-Couture Kleider des international renommierten Designers Jeremy Scott – inklusive dem ihm eigenen Akzent von Humor und Augenzwinkern.

Säuberung der Meere von Plastik-Abfällen 
Die Partnerschaft von Hyundai mit der niederländischen Meeresschutzorganisation „Healthy Seas“ feierte gerade ihren zweiten Geburtstag. An mehreren Küsten Europas und Südostasiens werden Gewässer und Meeresstrände von Plastikabfällen, insbesondere Geisternetzen, gereinigt und die Bevölkerung für die Verletzlichkeit dieser sensiblen Ökosysteme sensibilisiert. Der aus dem Plastikmüll gewonnene Garnstoff Econyl© findet sich in vielen Textilien, aber beispielsweise auch in Fußmatten der Fahrzeuge des Subbrands IONIQ wieder.

Hyundai unterstützt die Meeresschutzorganisation Healthy Seas beim Bergen von Geisternetzen

Baumpflanz-Aktion in Deutschland
Für jeden in Deutschland verkauften IONIQ 5 und IONIQ 6 pflanzt Hyundai einen Baum.Auf einer ausgewiesenen Kahlschlagfläche in NRW entsteht in Kooperation mit der Initiative PLANT-MY-TREE ein neuer naturnaher Mischwald, der auf 99 Jahre jeder wirtschaftlichen Nutzung entzogen ist und gerade so wachsen kann, wie es die Natur vorgibt. So werden IONIQ Käufer auch auf diese originelle Art zu Klimaschützern.

Für jeden Käufer eines Modells des Subbrands IONIQ wird ein Baum im Hyundai-Wald gepflanzt.

Darüber hinaus ist Hyundai in einer Vielzahl von Projekten und Programmen sozialer und wissenschaftlicher Art engagiert. Das beinhaltet die Verkehre der Zukunft, mobile Robotik als Partner des Menschen im Alltag, autonomes Fahren zur Vermeidung von Unfällen und überflüssigen Fahrten ebenso wie Förderungen im Bereich Sport und Gesundheit/Rehabilitation, grüne Wasserstoffwirtschaft und so Vieles mehr.

Umweltfreundliche und erneuerbare Rohstoffe in der Produktion von Autos

In der Natur gibt es keine Abfälle, alles wird wieder verwertet, nichts bleibt übrig. Die Idee der Integration von Reststoffen und aufbereiteten Materialien für neue Fahrzeuge im Sinne einer Kreislaufwirtschaft nach dem Muster der Natur ist bei Hyundai von zentraler Bedeutung. Neben Wieder-Verwertung und Wieder-Aufbereitung von Alt-Akkus finden sich im Interieur des IONIQ 5 und IONIQ 6 Materialien wie Bio-Lacke oder Recycling-Garne aus Plastikflaschen. In den Sitzbezügen stecken Rohstoffe aus Bio-Zuckerrohr. Die Fußmatten bestehen aus wiederaufbereitetem Plastikabfall und vor allem Geisternetzen aus den Weltmeeren, beim IONIQ 6 sogar der komplette Teppich im Innenraum. Beim IONIQ 6 wird auch der Lack für die Front- und Heckschürze sowie für die Seitenleisten aus recycelten Altreifen hergestellt. 

Wir wollten genauer wissen was es mit den einzelnen Eco-Materialien und -Stoffen auf sich hat und haben an kompetenter Stelle nachgefragt. Für das Interview stand uns Emilie Grimm, CMF Designerin Color & Trim im Hyundai Design Center Europe zur Verfügung. CMF Design ist der Bereich des Produktdesigns, der sich mit der Auswahl und Verwendung von Farben, Materialien, Oberflächen befasst. 

Im Touremo-Interview: Emilie Grimm, CMF Designerin Color & Trim im Hyundai Design Center Europe

Touremo:

Es ist sicher nicht ganz banal, in einem stetigen Prozess umweltoptimierte Alternativen zu herkömmlichen Materialien im Automobilbau aufzuspüren, die sich ohne Abstriche an Funktionalität und Komfort verwenden lassen. Wer kümmert sich bei Hyundai um entsprechende Materialrecherchen, Tests und potentielle Bezugsquellen?

Emilie Grimm:

Sämtliche Materialrecherchen und auch die Entwicklung neuer Materialien wird in enger Zusammenarbeit von Hyundai Engineering, Color and Trim und der Prüfungsabteilung übernommen. Hierfür arbeiten wir eng mit unseren Kolleginnen vom Hyundai Color Team in Korea als auch mit unseren Suppliern zusammen. Durch die hohe Anforderung an die Materialien im Auto ist es eine Herausforderung nachhaltige Alternativen für die konventionell im Auto verbauten Materialien zu finden. Hier ist ein besonders hohes Maß an Entwicklung notwendig, um die Materialien später auch in Serie in das Fahrzeug zu bekommen und die erforderlichen Spezifikationen zu erfüllen.

Wie werden bei Hyundai nachhaltige Materialien bewertet?

Nach welchen Gesichtspunkten gelten Materialien bei Hyundai als nachhaltig?

Da der Klimawandel bzw. die Erderwärmung mit einer zu hohen Emission von CO2 einhergeht, ist es unser vorrangiges Ziel, CO2 zu reduzieren. So können wir mit den verbauten Ecomaterials einiges an CO2 im Vergleich zu herkömmlichen Materialien einsparen. Beispielsweise verwenden wir für die Sitzstoffe 45 % recyceltes PET, wodurch wir im Vergleich zu herkömmlichen PET 32,3 % CO2 einsparen. Das ist, denke ich, schon eine große Menge. Zum anderen nutzen wir biobasierte Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen, die wir als Substitut für erdölbasierte Materialien einsetzen können wie beispielsweise der Headlining-Stoff aus Bio PET auf den ich später noch genauer eingehe. Hyundai testet ständig neue und vielversprechende Materialien. Dennoch müssen wir sicherstellen, dass die Materialien nicht nur ökologische Belange erfüllen, sondern auch zuverlässig und langlebig sind. Wie Sie wissen, geben wir unseren Kunden 5 Jahre Garantie und wollen die erwartete Qualität sicherstellen.

In den Presseinformationen zum IONIQ 6 ist viel von „Bio“ und „ökologisch“ die Rede, wenn es um verwendete Materialien geht. Was aber verbirgt sich z.B. hinter Begriffen wie „ökologisch behandeltes Leder“ oder Bio-PET-Gewebe, das im Dachhimmel zum Einsatz kommt.

Genau, bei der Lederverarbeitung wird beispielsweise ein biobasiertes Leinöl im Gerbungsprozess verwendet und ersetzt somit einen chemischen Stoff und macht das Leder umweltfreundlicher. 

Das Bio PET Gewebe wird aus Biomasse der Zuckerrohrproduktion – natürlich lediglich Abfälle – gewonnen. Diese Biomasse wird anschließend in ein PET Polymer umgewandelt, das wiederum zu Garn versponnen wird und anschließend zum Textil gewebt wird. 

Um noch einmal auf die Frage nach dem “Bio” zurückzukommen, es bezieht sich auf den biologischen Ursprung des Materials, das wir verwenden. 

Was kann man sich darunter vorstellen, dass für Verkleidungen Pigmentfarbe aus Altreifen verwendet wird und für die Karosserie Pigmentfarbe aus Bambuskohle zum Einsatz kommt? 

Da sich alte Autoreifen wenig bis gar nicht recyceln lassen, ist die Gewinnung von Pigmenten aus den Reifen eine Möglichkeit, das Abfallprodukt „upzucyceln“. Um das Pigment zu gewinnen, werden die Altreifen mechanisch zerkleinert. Anschließend kann das Pigment für die Farbe des Side Moulding und des Bumpers verwendet werden. 

Die Bambuskohle als schnell wachsender und biobasierter Rohstoff kann ebenfalls als Pigment für den Außenlack genutzt werden. Beim IONIQ 6 wird die Bambuskohle im Digital Green Pearl Lack genutzt.

Bei den Türverkleidungen wird Bio-Lack eingesetzt. Die Bezeichnung „Bio“ leitet sich offenbar aus seiner Zusammensetzung aus Pflanzenölen, also natürlichen Basisstoffen ab. Können Sie näher erläutern, um welche Öle es sich dabei handelt, denn z.B. Palmöl dürfte wohl kaum die Bezeichnung „bio“ verdienen?

Für die Lacke der Türen werden pflanzenbasierte Öle aus Raps und Mais verwendet, aus welchen Polyol hergestellt wird, was in der Polyurethan-Farbe enthalten ist. Dadurch können wir auch hier erdölbasierte Grundstoffe durch Öle aus nachwachsenden Rohstoffen ersetzen. 

Das Armaturenbrett des IONIQ 6 besteht aus einer Bio-Kautschuk-Mischung. Wird der Bio-Kautschuk also von Eco-zertifizierten Plantagen bezogen und worin unterscheidet er sich von konventionellem?

Also das ist so nicht ganz korrekt beschrieben. Wir verwenden für das Armaturenbrett ein Bio TPO-Material, welches ein Thermoplastisches Elastomer und kein Kautschuk ist. Hierfür wird ebenfalls Zuckerrohrabfall genutzt, der in Bioethanol und Polyethylene umgewandelt wird woraus die Bio TPO Skin, wie wir sie nennen, besteht. Und im Vergleich zum herkömmlichen PE (Polyethylen) reduziert sich die CO2-Emission pro Fahrzeug um 1,15 kg.

Verschiedenste Eco-Materialien finden Verwendung im Innenraum des IONIQ 6 

In welchen Bereichen sehen Sie bei der Auswahl und im Einsatz von Öko-Materialien in Zukunft noch erfolgversprechende Optionen oder anders gefragt, welche Herausforderungen und Visionen liegen noch vor Ihnen?

Ich denke insbesondere die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen wird in Zukunft von immer größerer Bedeutung sein. Es ist nicht nur so, dass viele biobasierte Materialien wie Holz CO2 binden können, sondern auch andere Materialien wie Wolle von sich aus bereits sehr gute Eigenschaften haben, wie beispielsweise die Absorption von Feuchtigkeit, die für die Sitzbezüge im Fahrzeug von Vorteil sind. Darüber hinaus spielt das Thema Regionalität auch eine wichtige Rolle, dass man versucht Lieferketten möglichst lokal zu halten – beispielsweise sämtliche Lieferanten für die Produktion in Europa sind innerhalb von Europa angesiedelt. Und all diese Themen werden unter dem Gesichtspunkt der Kreislauffähigkeit betrachtet, so dass wir auch Materialien verwenden, die am Ende des Lebenszyklus wieder in den Produktionsprozess zurückfließen können. 

Grundsätzlich können wir sagen, dass in Zukunft immer mehr biobasierte und zirkuläre Materialien in den Hyundai Autos auf dem Weg zur C02 Neutralität implementiert werden. 

www.hyundai.de

Text: Peter Grett
Bilder: Hyundai Motor Deutschland

Geschrieben von
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