Opel Astra Plug-in: Der Appetitmacher

Gewöhnlich konzentrieren wir uns auf rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge und lassen die inzwischen beinahe unzähligen „Teilzeitstromer“ außen vor. Diesmal machten wir jedoch aus gutem Grund eine Ausnahme, als sich die Gelegenheit bot, erste Eindrücke vom neuen Astra Plug-in zu sammeln.

Der gute Grund ist die Tatsache, dass Opel bereits angekündigt hatte, im Laufe des nächsten Jahres seinen neuen Astra auch als reinen „Stromer“ anzubieten und wir mit dem Plug-in schon mal die neue, jüngst aufgelegte Generation des Opel-Bestsellers kennenlernen konnten. Quasi als Appetizer. Die Gelegenheit ergab sich aus einer Einladung des Herstellers zu Probefahrten entlang der portugiesischen Atlantikküste.

Noch bevor wir in den Genuss erster Erfahrungen kamen, die sich tatsächlich als genussvoll herausstellen sollten, gab es eine Reihe positiver Nachrichten über die Astra-Modellfamilie zu verzeichnen: Preislich ist das kompakte Erfolgsmodell zum Vorgänger stabil geblieben und kostet in der Basis ebenfalls ab 22.465 Euro. Keine Selbstverständlichkeitin Zeiten galoppierender Inflation. Und es wird demnächst auch wieder einen Sports Tourer geben, wie Opel seine Kombi bezeichnet. Ein solcher wird dann in 2023 auch vom elektrischen Astra zu haben sein, wodurch erfreulicherweise eine große Angebotslücke bei Stromern geschlossen wird. Eine Botschaft haben wir ja bereits vorweg verkündet, nämlich dass es nun erstmals eine Plug-in-Version mit 133 kW/180 PS mit 8-Stufen-Automatikgetriebe gibt, die ab 35 800 Euro kosten wird. Angekündigt wurde alternativ eine zweite, stärkere Motorisierung mit 165 kW/225 PS.

Der Astra Plug-in ist demnächst auch als Sports Tourer erhältlich

Das neue Astra-Design – Schnörkellos, klar, modern

Natürlich besitzt der Astra nun auch die “Vizor”-Front, die bereits bei weiteren Modellen der aktuellen Fahrzeuggeneration das neue Opel-Markengesicht markiert. Überhaupt erscheint die äußere Erscheinung klar, sachlich und kommt ohne zierenden Schnickschnack aus. Zeitlos modern, nicht bemüht modisch, so wirkt das Exterieur des Neulings. Die optionale Zweifarbenlackierung mit schwarzem Dach lässt den Wagen niedriger und dadurch kraftvoller erscheinen. Auf den ersten Blick gewinnt man den Eindruck, der neue Astra würde größer als sein Vorgänger ausfallen. In der Tat ist er mit 4374 Millimeter länger – um ganze vier Millimeter… Hier wird deutlich, was ein verlängerter Radstand nicht nur optisch, sondern auch beim größeren Platzangebot für die Passagiere hinten bewirken kann.

Besonders stolz sind die Astra-Entwickler auf das neue „Intelli-Lux LED® Pixel“ Licht, das nun erstmals auch in der Kompaktklasse zum Einsatz kommt. Das Novum sorgt mit insgesamt 168 LED-Elementen – 84 pro Scheinwerfer – für einen situationsgerechten präzisen und fließenden Lichtverlauf, ohne dabei andere Verkehrsteilnehmer zu blenden.

Die „Vizor“-Frontpartie definiert das neue Markengesicht von Opel

Das Interieur – angenehm und praktisch

Was sich beim Äußeren zeigt, setzt sich auch im Innenraum fort, nämlich eine funktionale Klarheit. Wie schon beim zuletzt erprobten Mokka-e befindet sich auch hier das „Pure-Panel“-Cockpit im Blickfeld der Fahrerin. Die Einheit aus Display und dem leicht zum Piloten hin gekrümmten Touchscreen ist eine bessere, weil bedienfreundlichere Lösung, als die mittig und senkrecht stehenden Mega-Screens nach Tesla-Art. Auch beim Astra treiben die Rüsselsheimer die Digitalisierung nicht auf die Spitze. So können manche, häufiger benutzte, Einstellungen noch immer mit Tasten und Drehknöpfen vorgenommen werden. Das ist ausgesprochen praktisch und schmälert nicht den aufgeräumten Eindruck des Cockpits. Ansonsten verbindet sich das Smartphone kabel- und problemlos mit dem Multimediasystem und wer möchte kann selbstverständlich ein gut lesbares Head-up-Display und eine Rückfahrkamera ordern.

Die Sitze, versehen mit dem Gütezeichen der Aktion Gesunder Rücken e.V., sind straff und geben guten Halt. Der Gepäckraum des Astra Plug-in ist wegen des Platzbedarfs des Fahrakkus naturgemäß etwas kleiner als bei den Verbrennern, aber mit 352 bzw. 1268 Litern ausreichend groß.

Klare Linien bestimmen das Interieur mit dem bedienfreundlichen „Pure-Panel“-Cockpit

Fahreindrücke

Was die Abstimmung des Fahrwerks betrifft, kann man Opel attestieren, einen richtig guten Job gemacht zu haben. Der Astra fühlt sich ausgesprochen harmonisch an, die straffe und doch komfortable Federung arbeitet zuverlässig, auch in Kurven. Die Lenkung ist leichtgängig, die Bremsen packen kräftig, aber nicht zu bissig zu.

Die abwechslungsreiche Route entlang der Küste, im Hinterland und auf Autobahnabschnitten wurde somit zur echten Vergnügungstour. Was ebenfalls positiv auffiel ist, dass die angegebene elektrische Range von 60 Kilometern zumindest unter halbwegs idealen Bedingungen durchaus erreichbar erscheint. Auf dem Testdrive-Mix mit relaxtem Dahingleiten über Landstraßen, Umherkurven in Ortschaften und mit der Autobahnhöchstgeschwindigkeit von 120 km/ bei gelegentlichen Beschleunigungsanflügen, erreichte der Teilzeitstromer immerhin 54 Kilometer. Allerdings bei einer Außentemperatur um die 20 Grad. Was neben den warmen Bedingungen und dem Verzicht auf den dynamischen Sport-Modus ebenfalls zur Erhöhung der elektrischen Reichweite beitrug, war die Wahl der stärkeren Rekuperations-Stufe durch Drücken der „B“-Taste in der Mittelkonsole. Speziell beim Stopp & Go Verkehr auf Ortsstraßen konnte auf diese Weise beim Bremsen manche Kilowattstunde in den 12,4-kWh-Akku zurückfließen.  

Die Zweifarbenlackierung mit schwarzem Dach lässt den Astra flacher und dynamischer erscheinen

Fazit

Mit dem neuen Astra hat Opel gute Chancen, an seine Erfolgsgeschichte in der Kompaktklasse anzuschließen. Nach mehrstündiger Probefahrt hinterließ der Plug-in Hybrid jedenfalls einen ausgezeichneten Eindruck. Wer etwa als Pendler über Lademöglichkeiten zu Hause und/oder am Arbeitsplatz verfügt, kann im Alltag einen Großteil seiner/ihrer Fahrten stromgetrieben zurücklegen und dank der elektrischen Reichweite von 60 km auch in den Genuss der staatlichen Innovationsprämie kommen. Für alle, die indes am rein elektrischen Astra-e Interesse zeigen, sollte sich das Warten bis nächstes Jahr durchaus lohnen. Zumindest, sofern Opel seinem Stromer etwas mehr Reichweite spendieren wird, als die bisher – etwa beim Mokka-e – üblichen 300+ Kilometer. Oder eine höhere Schnellladeleistung.

Text: Peter Grett
Bilder:
Aufmacher, Bild 1 und 3: Opel
Bild 2 und 4: Peter Grett

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