Cupra Born – Gib gas, er will Spass!

Vollelektrisch mit Wow-Effekt: Der Cupra Born macht Lust auf mehr.

Was haben sie sich nur dabei gedacht? Die ersten 60 Kilometer auf der Testfahrt wirken wie eine wilde Tour in der Achterbahn. Auf die Bremse, bergab, Kurve links, auf das Gaspedal, ein leichter Anstieg, bremsen, Kurve rechts. Es folgt die ziemlich enge Links-Rechts-Passage, leichte Wellen im Asphalt, bremsen, Kurve, Gas, Achtung, Zone 30 – und ein halbprofessioneller Rennradfahrer im Gegenverkehr. Den Fahrer schüttelt es kräftig durch, sein Magen rebelliert. Doch der Cupra Born, er scheint zu jubilieren. Er gibt Gas, er will Spaß. Die engen Serpentinen in der Serra de Collserola, dem Mittelgebirge nahe der katalanischen Metropole Barcelona, fährt er wie auf Schienen. Klar, da kommt der erste reine Stromer aus dem Haus der Seat-Tochter her. Hier schlägt sein Herz. Vollelektrisch, ­dynamisch und im sportlich schicken Ambiente.

Spanischer Sportler aus Zwickau

Alles, nur nicht langweilig. So lautete der einfache wie ambitionierte Auftrag, den die Entwickler und Konstrukteure von Cupra auf dem Weg zum ersten eigenen E-Modell zu erfüllen hatten. Der Blick ins Detail, im Innenraum wie außen, offenbart, wie leidenschaftlich und akribisch sie ihre Aufgabe erledigten. Der Born schafft es tatsächlich, die kernigen Attribute, für welche die spanischen Virtuosen stehen, mit den wichtigsten Merkmalen der Elektromobilität stimmig zu verknüpfen. Ja, es ist ein Cupra. Ja, es ist ein Stromer. Und ja, diese Kombination funktioniert. Es ist eine höchst spannende Mixtur, die den geneigten Steuermann praktisch mit dem Schwung auf dem Fahrersitz bereits Lust auf mehr macht.

Der Born ist die höchst sportliche Alternative in der Kompaktklasse.

Der Cupra Born ist ein spanischer Hochleistungssportler made in Zwickau, wo auch sein nächster Verwandter, der VW ID.3, gebaut wird. Die Technik des Born liefert der MEB, der „Modulare E-Antriebs-Baukasten“ des Volkswagen-Konzerns. Die Form und der Grundriss erinnern grob an den ID.3 – doch was die Optik betrifft, haben die Cupra-Designer klare Akzente gesetzt. Flacher ist die Frontpartie mit den typisch kupferfarbenen Elementen, wuchtig wirken die seitlichen Flanken, zackig das Heck samt Diffusor. Der Born kommt wie selbstverständlich flotter als der ID.3 daher.

Sitze aus recyceltem Meeresplastik

Diesen sportlichen Drive versprüht der spanische Stromer auch im Wageninnern. Alles im speziellen Cupra-Chic, massiv das Lederlenkrad, verhältnismäßig groß der Touchscreen. Als vorbildlich, was den Zukunftsgedanken und die Aspekte der Nachhaltigkeit betrifft, darf die Auswahl der Materialien bewertet werden. Die Sitzbezüge bestehen aus Fasern, die aus recyceltem Meeresplastik gewonnen wurden. Für die Verkleidung der Türen und die Armlehnen setzt Cupra auf recycelte Mikrofasern.

Überhaupt, diese Sitze! Sie haben etwas wohlig Kuscheliges. Sehr bequem, sehr angenehm. Im vorderen Bereich sitzen Fahrer und Beifahrer höchst komfortabel mit reichlich Luft nach allen Seiten. Im Fond geht es ein klein wenig beengter zu, was auch daran liegt, dass die Fahrgäste hier relativ flach über dem Boden sitzen. Für Fahrgäste über einer Körperlänge von 1,80 Metern bedeutet dies konkret: Kopf einziehen – oder die Haarpracht wird geplättet.

Das Haupt zu verdrehen und die Blicke auf sich zu ziehen, das schafft der Born selbst bei den Passanten in Barcelona, für die Cupra, genauso wie die Muttermarke Seat, den prinzipiell einzig wahren Volkswagen darstellt. Ob im Hafen, in der City oder auf der unendlich langen Avinguda Diagonal, die quer durch die Metropole führt: Immer wieder schauen die Einheimischen auf den Neustarter. Ein Cupra? So leise? Elektrisch? Wow!

Der Born ist auch im traditionell hektischen und anspruchsvollen Verkehr der Millionenstadt ein verlässlicher Begleiter. Er ist gut zu lenken, reagiert prompt, auch im nervösen Stop-and-Go zum Feierabend. Das Einparken flutscht, die feinen Sensoren helfen auf dem Weg selbst in schmalste Abstelllücken. Einen Tick zu sensibel sind allerdings die Regler auf dem Touchscreen: Wer nachhaltig die Lautstärke des Entertainment-Systems oder die Temperatur einstellen möchte, fährt besser erst einmal rechts ran – und nimmt sich Zeit. Die Schieberegler springen mit jedem Kontakt aufgeregt über den Bildschirm.  Da braucht es ruhige Finger und etwas Routine. Ein Fall für die versteckte Kamera oder den Tiefenpsychologen sind  die elektrischen Fensterheber, die – wohl als Innovation konzipiert – den Fahrer mit großen Fragezeichen zurücklassen.  Vier elektrische Fenster sind im Cupra Born über zwei Regler, jeweils zum Öffnen und Schließen, sowie einen größeren Hebel zum Umschalten vorne/hinten zu bedienen. Wie bitte??!! Okay, wir verzichten auf frische Luft, und erwägen ein Studiensemester an der Volkswagen-Akademie: Fensteröffnen im elektrischen Zeitalter, Kapitel 1 bis 10.

Die Cupra-Entwickler bestechen mit ihrem Blick für die kleinen, feinen Details und dem konsequenten Umsetzen frischer Ideen. 

Drei Akkus im Angebot

Der Born ist derzeit nur mit einer 58-kWh-Batterie erhältlich, ab März auch mit 45 und  77 kWh, die 204, 150 oder 231 PS auf die Straße bringen. Das große Modell, das wir auf in Barcelona fahren dürfen, liegt stabil auf der Straße. Es beschleunigt direkt und mit Nachdruck. Laut Angaben des Herstellers fährt der Born in 6,9 Sekunden aus dem Stand auf 100. Er schiebt kraftvoll bis etwa 130 km/h an, kämpft sich hoch auf 160, schließlich wird er automatisch abgeriegelt, auch um konsequent Strom zu sparen. Selbstverständlich rekuperiert der elektrische Cupra auch zuverlässig. Die Energie kann über zwei Stufen – D für normal und B für kraftvoll – zurückgewonnen werden.

Das Spitzenmodell mit dem großen Akku soll mit einer Ladung bis zu 420 Kilometer weit kommen. Aufgeladen wird die Batterie mit bis zu 125 kW. Laut Cupra bedeutet dies, dass im besten Fall in sieben Minuten der Strom für 100 Kilometer fließen kann und ein Akku, der auf fünf Prozent steht, nach 35 Minuten bereits 80 Prozent seiner Zellen geladen hat.

Booster im Lenkrad

Mit voll aufgeladener Batterie fahren wir aus Barcelona heraus, die Küste entlang in den Süden. Weniger werden die Autos, luftiger die Autobahn, entspannt geht es voran. Doch dann juckt es uns in den Fingern. Besonders sportlich wird der Born zweifellos, wenn das richtige Fahrprogramm eingestellt ist. Auf dem Lenkrad gibt es zwei große Knöpfe. Auf dem linken können alle Varianten durchgeschaltet werden – von sparsam-defensiv bis volle Kraft voraus. Der Druck auf den Knopf rechts bringt den massiven Boost direkt auf den Asphalt. Ja, es ist deutlich zu spüren. Leider bremsen die Verkehrszeichen, welche die Geschwindigkeit regulieren, den Fahrspaß nachhaltig.

Auf der Autobahn verbraucht der E-Cupra etwa 24 kWh auf 100 Kilometer – etwa genauso viel der Konzernbruder ID.3. In der Stadt saugt der Born 19,5 kWh auf 100 Kilometer, auf der Landstraße rund 18,5 kWh.

Natürlich gibt der spanische Produzent seinen Kunden auch die Möglichkeit, den Born auch über das Mobiltelefon zu steuern. Die Applikation My Cupra zeigt den Status der Batterie und die geschätzte Reichweite an. Zudem gibt es Funktionen wie etwa die Klimaanlage zu starten oder auszuschalten. Stichwort Smartphone: Apple Car Play und Android Auto verbinden sich im Born problemlos und ohne Kabel, wenn das Handy in der induktiven Ladezone liegt. Wichtig für Geschäftsreisende: Die Freisprechanlage funktioniert perfekt. Auch die Sprachsteuerung erfüllt ihre Dienste in vollem Umfang.

Auch der Innenraum, der im speziellen Cupra-Ambiente gehalten ist, besticht durch die Leidenschaft für das Detail – und mit sehr komfortablen Sitzen. 

Alles, nur kein Spießer

Apropos Business. Der Cupra Born ist eine interessante Alternative für Selbstständige und Unternehmen, die ihren Fuhrpark nachhaltig elektrisieren möchten. Imagetechnisch ist es natürlich eine Glaubensfrage. Der feurige Spanier ist alles, nur kein Spießer. Wer auf die bunte und muntere Komponente setzen möchte, aktiv und attraktiv, kann seine Außendienstler frisch, frei und guten Gewissens in den Born setzen. Die Fahrdaten und die für das Geschäftliche wichtigen Elemente sind mit an Bord.

Das neue Infotainment-System aus dem Mutterunternehmen Seat wirkt mit viel Strategie entwickelt und ausgereift. Es funktioniert flüssiger als die Software des Konzernbruders ID.3. Das kleine Fahrerdisplay ist elegant im Sichtfeld positioniert und gut zu lesen. Ein Pluspunkt ist auch das neue, sehr große Head-up-Display, das im Sinne der Augmented Reality das Fahrgeschehen aktiv analysiert und den Fahrer entsprechend informiert – etwa über potenzielle Gefahren durch Fußgänger oder andere Verkehrsteilnehmer, Unfallstellen oder zeitlich begrenzte Hinweise zur Geschwindigkeit.

Es ist der Anspruch der Cupra-Designer, den Born auch farblich dem Zeitgeist anzupassen.  Knallige und poppige Töne fehlen auf der Palette genauso wie der traditionelle Lack in schwarz oder weiß. Die angebotenen Außenfarben werden als zurückhaltend, modern und charakterstark apostrophiert: Der Born kommt folglich in Lava-Blau, Licht-Silber, Nevada-Weiß, Vulkan-Grau, Merlot-Rot oder Mondstein-Grau.

Breite Preispalette

Der Cupra steht in der derzeit erhältlichen Variante mit 58-kWh-Akku ab 37.000 Euro zum Verkauf. Abzüglich der diversen Förderungen ist er für gut 27.000 Euro zu haben. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den flotten Kompakten aufzutrimmen – optisch und inhaltlich. Speziell das sogenannte „Dinamica Pack“ versprüht den besonderen Charme, mit speziellen Stoffsitzen (1.710 Euro), den strahlenden 20-Zoll-Leichtmetallrädern (1.350 Euro), dem Pilot-L-Pack (1.800 Euro) und der Wärmepumpe (990 Euro). Die krassen 3D-Effekte an der Karosserie und im Wageninnern gibt es übrigens gratis. Spannend für Gewerbetreibende: Im Geschäftswagen-Leasing wird der Born mit einer jährlichen Laufleistung von 10.000 Kilometern bereits ab 199 Euro im Monat angeboten.

Der erste vollelektrische Cupra ist kein Auto für konforme Bremser. Per Markteintritt dokumentiert er, dass er anders als die meisten Konkurrenten in der Kompaktklasse daherkommt. Flotter, pfiffiger und angriffslustiger. Einzusteigen macht Lust, das Fahren bringt Spaß – mit klaren Grenzen in der Spitzengeschwindigkeit, da bleibt der Born zeitgemäß und seriös bis dezent zurückhaltend. Mit 200 über die Piste zu brettern ist hier keine Option. Der flotte Spanier fegt lieber durch die Serpentinen, den Stadtverkehr – oder eben über die Küstenstraße. Übrigens, schon die Abfahrt ist das reinste Vergnügen: kein Startknopf, einfach Fuß auf das Gaspedal, Getriebe auf D – und los geht‘s!

Text: Armin Grasmuck
Bilder: cda-Verlag

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