MIA 2.0 – Auf ein Neues!

In zwei Jahren wird es laut dem Münchner Unternehmen fox e-mobility soweit sein, der elektrische Microvan MIA soll seine Wiedergeburt erleben. Mit der Verabschiedung des Innen- und Außendesigns wurde nämlich ein bedeutender Schritt auf dem Weg zum Produktionsstart und zur Markteinführung der rein europäischen Marke MIA gegangen. Wohl noch in diesem Jahr kommen die ersten echten Erprobungsträger auf die Straße, voraussichtlich 2024 soll der kompakte Stromer dann zu kaufen sein.

Die fox e-mobility AG ist laut eigener Aussage, das einzige konzernunabhängige europäische E-Auto-Unternehmen zu sein, das sich auf die Entwicklung, Produktion und Vermarktung kompakter Elektroautos im unteren Preissegment für Logistik-Unternehmen und Privatkunden spezialisiert.

Wie schon bei der Ur-MIA ist der einzige, vordere Sitzplatz für den Fahrer reserviert

Herausforderungen für eMobility Start-Ups

Ein Elektrofahrzeug zu entwickeln und zu bauen ist kein leichtes Unterfangen, zumal ein kostspieliges. Dies gilt ganz besonders für kleinere Start-Ups, die es zwar bisweilen noch schaffen, ihre Conceptcars und Prototypen auf Messen und bei glanzvollen Events zu präsentieren, aber letztlich daran scheitern, ein Serienfahrzeug auf die Straße zu bringen. Und wenn doch, dann mit so großer Verspätung, dass ihr Vehikel Gefahr läuft, nicht mehr den Stand der Technik zu repräsentieren. Hinzu kommt dann noch die übermächtige Konkurrenz der großen Autohersteller, die aufwändige Akquise von weiteren Investoren und die schwierige Suche nach dem passenden Auftragsfertiger. Beispielhaft dafür steht z.B. die Firma Sono Motors, die ihr E-Modell „Sion“ ursprünglich in 2019 auf den Markt bringen wollte. Nun peilen die Entwickler an, den mit Solarzellen bestückten Kompaktwagen im nächsten Jahr – mit vierjähriger Verspätung – in Serie gehen zu lassen.

Im Gegensatz zu diesem und anderen eMobility-Start-Ups haben die „Füchse“ den Vorteil, das grundsätzliche Fahrzeugkonzept bereits in Serie erprobt zu haben, auch wenn dieser erste Anlauf schon länger zurück liegt und ihm unter dem Strich kein Erfolg beschieden war.

Ein Konzept mit Historie

Das Projekt blickt tatsächlich auf eine wechselhafte Geschichte zurück. Vom bekannten Automobildesigner Murat Günak gezeichnet, der bereits diverse Modelle von Volkswagen, Mercedes und Peugeot entworfen hatte, wurde die unter dem Prototypennamen „Heuliez Friendly“ entwickelte Ur-Version der MIA mit seinem 33 PS starken Antrieb schließlich ab 2012 vom französischen Unternehmen Heuliez gefertigt. Trotz der besonderen Expertise dieser Firma als Auftrags-Entwickler und -Produzent von (E-)Modellen z.B. für Citroën, Peugeot oder Renault hatte die erste MIA insbesondere bei den Akkus mit Qualitätsproblemen zu kämpfen. .  Letztlich war die Ur-MIA unabhängig von gewissen Kinderkrankheiten Ihrer Zeit zu weit voraus und so endete 2014 nach nur wenigen Jahren und rund 1600 ausgelieferten Fahrzeugen mit der Insolvenz des Herstellers die erste Ära dieses pfiffigen und innovativen Zwergstromers.

Der zentrale Vordersitz ermöglicht große Beinfreiheit für der Passagiere

Neustart mit Erfolgsaussicht

Aufgrund dieser ersten Periode erweist es sich für die Neuentwicklung nunmehr als Vorteil, dass vieles bereits grundlegend angelegt ist. Die MIA 2.0 braucht daher nur etwa die Hälfte der Zeit und des finanziellen Aufwands, um das neue Auto als state-of-the art wettbewerbsfähiges E-Auto an den Start zu bringen.

Nach einem Re-Design, das wiederum Murat Günak verantwortet, wird die MIA, benannt nach dessen Tochter, nun in Richtung Serienproduktion weiterentwickelt. Angepeilt wird ein Verkaufspreis von deutlich unter 20 000 Euro – und zwar vor möglichen Fördermaßnahmen. Erfahrungsgemäß sind derlei Preisankündigungen in frühen Phasen zwar mit Vorsicht zu genießen, jedoch dürften auch etwas höhere Preise die Attraktivität des Kleinen kaum schmälern. Sofern die Qualität stimmt.

Insbesondere in der Cargo-Version, dürfte die MIA gute Marktchancen besitzen. Das Fahrzeug hat eine Länge von 3,2 Metern, wiegt unter 1000 kg, bietet ein Ladevolumen von 1500 Litern und ist groß genug, um eine Euro-Palette unterzubringen. Die zwei Schiebetüren – ein besonderer Benefit des Konzeptes – erlauben schnelle und platzsparende Ein- und Ausstiege.

Die Cargo-Version bietet Platz für Euro-Paletten und mehr

Diverse Produktvarianten, zweiter Akku als Option

Die Plattform der MIA 2.0 umfasst nicht nur Antrieb und Akkutechnik, sondern ebenso die komplette Steuerungselektronik, auch für späteres automatisiertes Fahren. Sie ist die technische Basis für unterschiedliche geplante Karosserievarianten der Produktfamilie.

Das hohe Maß an Flexibilität erlaubt je nach Modell und Kundenwunsch sogar verschiedene Spurweiten und Radstände. Geplant sind z.B. kürzere oder längere Modelle für drei oder vier Passagiere.

Die MIA wird zwar nicht mit verschiedenen Akkugrößen angeboten, durch eine optionale zweite 20 KWh-Batterie lässt sich jedoch die Reichweite von über 200 auf über 400 km verdoppeln. Neben der Standardversion mit elektrischer Hinterachse besteht auch die Möglichkeit, an der Vorderachse einen zweiten Motor mit einer Leistung von 30 kW (45 PS) zu verbauen, was die MIA zu einem Allradler werden lässt.

Gerade im oft beengten urbanen Einsatz sind Schiebetüren eine gute Lösung

Fazit

Ohne das pfiffige Konzept der ursprünglichen MIA grundlegend zu verändern, ist es unter der Ägide von fox e-mobility gelungen, einen modernen elektrischen Microvan mit kompakten Außendimensionen, höchstmöglichem Raumangebot und großer Flexibilität zu entwerfen. Er könnte private wie gewerbliche Kunden gleichermaßen ansprechen, wobei der Zielmarkt Liefer- und Pflegedienste besonders interessant sein dürfte. Bleibt zu hoffen, „dass die Marke MIA ihren Weg zum Produktionsstart konsequent und zuverlässig weitergehen wird“, wie es der Vorstandsvorsitzende Philippe Perret optimistisch verkündet.

Text: Peter Grett
Bilder: fox e-mobility

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fox-em.com

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